Die TAZ bedauert gefallene Männer

Das ausgerechnet bei der TAZ gefallene Männer bedauert werden, hat mich fast umgehauen. Der Parlamentskorrespondent der taz, Matthias Lohre hat Bezug auf eine Nachricht im Deutschlandfunk über das Massaker in der irakischen Ortschaft Haditha genommen, in dem 24 Menschen von einem US-Marineinfanteristen umgebracht worden waren.

Im DLF hatte eine Sprecherin anscheinend wiederholt den unrühmlichen Satz von sich gegeben, darunter auch (unbewaffnete) Frauen und Kinder. Bei dem Massaker waren eine Frau und ein Kind umgekommen. Den Ausspruch fand Matthias Lohre anscheinend etwas schräg, denn er hat auch ein paar Zahlen aus dem Irak-Krieg zitiert.

Männer
Deutschlandfunk unter der Dusche

[..]Wiederholt betonte die Frau im Radio, bei dem Massaker seien „auch unbewaffnete Frauen und Kinder erschossen“ worden. Da seufzte ich, richtete den Blick gen Himmel – und schluckte Wassermengen, mit denen sich in irakischen Gefängnissen sicher ausführliche Geständnisse erwirken lassen.[..]

Die Deutschlandradio-Meldung basierte auf einem Bericht der Nachrichte­nagentur dapd vom selben Tag. Darin heißt es: „Der Einsatz in Haditha, bei dem auch unbewaffnete Frauen und Kinder erschossen wurden, gilt als eine Schlüsselsituation im Irakkrieg. Danach wurden die Regeln für die Einsätze der US-Soldaten verschärft.“ Vermutlich wurde seither strikt darauf geachtet, nur noch unbewaffnete Männer zu erschießen.[..]

Hier zwei Quellen, in denen diese Aussagen getätigt wurden: Die Rheinpfalz · Yahoo Nachrichten.

Die Organisation Iraq Body Count Project hat errechnet, wie viele Men­schen infolge des Irakkriegs gestorben sind. Vom Invasionsbeginn im März 2003 bis zum März 2005 starben die meisten Personen. Der NGO zufolge waren in dieser Zeit unter den zivilen Toten 10 Prozent Kinder und knapp 9 Prozent Frauen. Und mehr als 81 Prozent Männer. Trotzdem mangelt es an Mitleid.

Das hat damit zu tun, dass Männer noch oft pauschal als Angehörige eines „Tätergeschlechts“ betrachtet werden, sich gar mitunter selbst so sehen. Und mit den zähen Nachwirkungen eines soldatischen Männ­lich­keitsbilds: Männer haben sich zu freuen, im Kampf ihr Leben zu riskieren. Folglich sind sie selbst schuld, wenn sie es dort verlieren. Selbst als Zivilist.

Seit wann es die Kolumne Männer bei der taz gibt, kann ich nicht beantworten, aber anscheinend war Bedarf vorhanden. Trotzdem dürfen wir damit rechnen, dass der Satz darunter auch Frauen und Kinder weiter benutzt wird.

Gewalt im Südsudan
Über 3.000 Tote in einer Woche

Als Rache für Viehdiebstähle massakrierten bewaffnete Männer vom Stamm der Lou Nuer über 3.000 Menschen – überwiegend Frauen und Kinder. UN-Blauhelme konnten die Lage vorerst beruhigen.[..]

Darunter befänden sich fast 2.200 Frauen und Kinder sowie mehr als 950 Männer, sagte der Verwaltungschef der Region Pibor, Joshua Konyi, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.[..] TAZ

Wieviele Kinder und wieviele Frauen darunter waren, wird selbstverständlich nicht aufgeschlüsselt. Die Baseler Zeitung schreibt sogar: „Die Stadt brennt und viele Menschen, die meisten von ihnen unschuldige Frauen und Kinder, liegen hier tot vor mir„. Die 950 Männer waren demnach schuldig oder wie?

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1 Kommentare.

  1. Christian Alexander Tietgen

    Eigentlich ist es doch aber auch ein bisschen schade, dass Militaristen um die Männer trauern, der Mainstream um Frauen und Kinder und so weiter. Das zeigt doch klar auf, wie stark die Wertigkeit eines Menschen bewertet wird, ob nun von links oder rechts.

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