Das vergessene Jungen-Geschlecht

Das war der Titel eines Spiegel Online Berichtes (das Jungen wurde allerdings nicht erwähnt), der mittlerweile eine Woche alt ist und in diversen Foren bereits diskutiert wurde. Die Bearbeitung habe ich zwar sofort erledigt, für die Feinarbeit fehlte mir allerdings die nötige Ruhe. Man möge mir die Verspätung verzeihen.

Männer in der Sinnkrise

Jungen unterliegen Mädchen in vielen Schuldisziplinen, erweisen sich als unflexibler, gewalttätiger und anfälliger für Krankheiten. Kurz: Das einst so stolze starke Geschlecht schwächelt. Forscher finden verblüffende Erklärungen für den Niedergang.

Noch in den sechziger Jahren hatten es Männer einfacher. Es herrschten klare Rollenbilder: Frauen mussten in erster Linie den Haushalt führen und die Kinder versorgen, und sie waren sozial wie finanziell abhängig von den Männern.

Hatten es Männer in den sechziger Jahren tatsächlich einfacher? Ich sage nein, ruhte damals doch die komplette Verantwortung auf ihren Schultern und sie haben diese wahrgenommen. Das fängt bei der finanziellen Verantwortung an. Früher ging keiner mal eben zum Sozialamt, denn dieses hätte den Stolz der meisten Männer verletzt. Lieber nahm man(n) einen Drecksjob an, Hauptsache er konnte die Familie ernähren. Für die moralische Verantwortung war er ebenfalls zuständig. Kuschten die Kinder nicht so, wie Muttern es sich vorstellte, kam sehr oft folgender Spruch aus ihrem Munde: warte, bis der Papa nach Hause kommt, dann setzt es was.

Doch dann wurden Geschlechterrollen in Frage gestellt – Eltern, Lehrer und Erzieher bemühten sich, Mädchen die gleichen Bildungschancen zu bieten, und förderten sie gezielt.

Was bei „gezielten Fördern“ heraus gekommen ist, sehen wir ja heute. Zwar haben die Mädels bessere Noten, aber nicht auf Grund überlegener Leistungen, sondern weil viele Eigenschaften, die früher im Zeugnis durch Kopfnoten explizit beurteilt wurden, heute in die „Arbeitsnoten“ einfließt. Das Bundesbildungsministerium mußte diese Benachteiligungen der Jungen durch Veröffentlichung einer Studie zugeben. Zwar versuchte man dieses zu vertuschen, in dem man die Studie kurz nach Erscheinen wieder vom Netz nahm, aber durch massive Nachfrage blieb ihnen nicht anderes übrig, als die Studie wieder online zu stellen. Die Dokumentation dazu und die Studie selbst steht auf der wgvdl-Homepage [hier]
Im übrigen wurde die bessere Benotung der Mädels bereits Jahre vorher durch eine israelische Studie veröffentlicht.
Wenn wir nun die Nachteile der finanziellen Unterstützung betrachten, so kann man auf Grund der Milliarden-Förderung nur zu dem Schluß kommen, ohne eine lebenslange Unterstützung bei vielen Mädels.. pardon Frauen scheint ja nichts zu laufen.

Der Erfolg blieb nicht aus. Frauen haben inzwischen viele typische Männerberufe erobert, besetzen Führungspositionen, bekleiden bedeutende Ämter.

Nicht nur, das mein vorheriger Kommentar auch hier greift, man sollte sich doch mal fragen, bei welchen Frauen die Fördergelder ankommen? Von der Unterstützung profitiert der überwiegende Teil der Frauen auf keinen Fall. Im Gegenteil: diese müssen – ebenso wie Männer natürlich – mir ihren Steuern und Abgaben die Frauen bezahlen, die angeblich für die Benachteiligung der Frauen forschen und kämpfen. Was haben z.B. Lidl-Kasserinnen von dieser Förderung? Richtig, nichts! Der Masse der Frauen geht es keinesfalls besser.

In der Schule, so belegt es die Pisa-Studie, zeigen Mädchen inzwischen sprachlich deutlich bessere Leistungen als Jungs. Sie verstehen geschriebene Texte besser und können sie besser nutzen, um Aufgaben zu bewältigen.

Richtig. Man hat aber mittlerweile heraus gefunden, wenn Jungs ihnen nahe liegende Texte bearbeiten müssen, die Ergebnisse ähnlich der Mädchen aussehen. Ergo läuft doch in der Schule etwas falsch.

Manche Fachleute vermuten sogar, dass vor allem die schlechten Leistungen der Jungen zu Deutschlands miserablem Abschneiden bei der Studie geführt haben.

Aha.. wer vermutet hier eigentlich? Die Fachleute, die Medien und/oder hier im besonderen Herr Henning Engeln? Im übrigen hat der Spiegel das bereits 2002 thematisiert, nur passiert ist seitdem so gut wie nichts [hier]

Sind die Frauen also in modernen Zeiten die überlegene Variante des Homo sapiens? Können sie nun ihre Qualitäten ausspielen, nachdem die Jahrtausende währende Unterdrückung durch die Männer fast vollständig überwunden ist?

Da ist es wieder, das Argument der jahrtausende währenden Unterdrückung. Geht es tatsächlich nicht ohne diese widerlegbare Behauptung?

Dass es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, bezweifelt inzwischen kaum noch ein Forscher.

Das sind ja mal ganz neue Töne bei der Spiegeline. Wir sollten sie bei der nächsten Gender-Diskussion darauf hinweisen.

Jungen toben mehr, werden schneller handgreiflich, werfen weiter und treffen besser. Sie sind konkurrenzorientierter, risikobereiter, erkunden gern Unbekanntes, neigen zu Selbstüberschätzung und Imponiergehabe.

Ist es nicht möglich, alleine das Positive bei Jungen hervor zu heben? Wo wären wir denn heute, gäbe es kein Konkurrenzdenken, Risikobereitschaft oder das erkunden von Unbekanntem?

..die Unterschiede verstärkten sich: Jungen wurden noch aggressiver, und es gelang ihnen, die Mädchen massiv zu unterdrücken.

Langsam frage ich mich, aus welcher Mottenkiste Herr Engeln gesprungen ist. Jungen wurden zu allen Zeiten dazu erzogen, Rücksicht auf Mädchen zu nehmen, was sie zum überwiegenden Teil auch gemacht haben und immer noch praktizieren. Aber Herr Engeln meint wohl, weil Jungen aggressiver auftreten, im übrigen mehrheitlich gegen das eigene Geschlecht, hätten sie die Mädchen – auch noch massiv – unterdrückt? Herr Engeln vergißt leider, das Mädchen sich ebenfalls aggressiv gewehrt haben, sie machen dieses nur seit ewigen Zeiten subtiler.

Ohne eine solche Förderung und Ermunterung aber haben die Jungen heute Probleme, sich in einer weiblich orientierten pädagogischen Welt in ihrer Eigenart zu behaupten.

In der Natur wie im Leben war es schon immer so, das alles einen Augleich braucht, sonst funktioniert es auf Dauer nicht. Das trifft natürlich auf die Bildung ebenso zu. Warum fragt denn keiner, weshalb es so wenige Männer in erzieherischen Berufen gibt?

Und während die Mädchen damit beschäftigt waren, sich ein neues Bild des Weiblichen und der Frau anzueignen, haben es die Männer versäumt, sich mit ihrer Rolle auseinanderzusetzen.

Wo ist denn die neue Frau? Solange diese nur sich und sonst niemanden versorgen muss, klappt das ja noch bedingt. Ohne Fördergelder geht jedoch auch hier nichts. Sobald Frauen aber Mütter werden, ist es bei vielen mit der eigenen Selbstständigkeit vorbei.

Die Folgen all dieser Entwicklungen sind heute zu erkennen: Es gibt kein klares oder gar positives Bild vom Mann.

Dazu hat u.a. ja auch der Spiegel beigetragen. „Eine Krankheit namens Mann“ [hier]

Bei allen Schwierigkeiten der kleinen Männer darf ohnehin eines nicht vergessen werden: Frauen sind längst nicht überall im Vorteil, vor allem nicht später im Leben.

Was wäre ein SPON-Artikel ohne diese Hinweise.

Klaudia Schultheis formuliert es so: „Wenn Jungen die Schule erst einmal durchlaufen haben, stellen sich ihnen keine Probleme mehr.“

Das ist nun die Krönung des Artikels, gelogen, dummdreist und an Frechheit kaum noch zu überbieten!

Links
Spiegel Online: Das vergessene Geschlecht
Der Maskulist – Die Brunnenvergiftung
Y-Chromosom fertig sequenziert

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4 Kommentare.

  1. Am besten gefiel mir dieser Satz:

    „Dass es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, bezweifelt inzwischen kaum noch ein Forscher.“

    Inzwischen … Ich will nicht wissen wieviel uns diese Erkenntnis gekostet hat!

  2. Ein Leserbrief :

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Bitte erlauben Sie mir ein paar ergänzende Kommentare :

    „Nachdem die Jahrtausende währende Unterdrückung durch die Männer fast vollständig überwunden ist?“ :

    Da die Frauen wohl früher kein großes Engagement gezeigt haben sich an der militärisch geprägten Politik aktiv einzubringen, bevorzugten sie ihre Rolle als das schutzbedürftigere und weichere Geschlecht und brachten sich lieber den gängigen Werten unterstützend ein, wie z.B. im Orden der weißen Feder, wo Frauen besonders engagiert allen Männern, die seinerzeit nicht in Uniform angetroffen wurden um für ihr Land im ersten Weltkrieg zu kämpfen, als Feiglinge zu brandmarken. Die These des „Geschlechterarrangements“ passt möglicherweise nicht so gut in das Bild der besseren Frau von Margarethe Mitscherlich. S. auch das feministische Paradoxon im Buch „Befreiungsbewegung für Männer“, S. 205, Gruner/Kuhla 2009.

    Da viele Frauen anscheinend diesen Unterdrückungsgedanken genauso unbemerkt verinnerlicht haben wie die über den Feminismus in Intim- und Partnerschaftsbeziehungen getragenen linksorientierten marxistischen Klassenkampfthesen, ist ein harmonisches Zusammenleben scheinbar unmöglich. Trennungsbiographien und sog. Geschlechterkämpfe belegen dies im Alltagsgeschehen immer wieder recht eindrucksvoll.

    Ansonsten : Haben wir heutigen Männer uns mit einem Revanchismus auseinanderzusetzen, für das was unsere Vorfahren getan oder nicht getan haben? Oder ist es einfach nur bequem aus einem kollektiv suggerierten Schuldgefühl Kapital zu schlagen?

    „Das es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, bezweifelt inzwischen kaum noch ein Forscher.“

    Ein feministischer Klassiker und gender-Thesen betrachten die kleinen Unterschiede als ein soziales Konstrukt. Die VerfechterInnen der gescheiterten Versuche des Dr. Money an David Reimer haben leider noch keine Gelegenheit gefunden dazu erschöpfend Stellung zu beziehen. Neue Erkenntnisse von Louann Brizendine, Susan Pinker, Prof. Baron-Cohen finden nur mühselig Einzug in die öffentliche Debatte. Vor allem basiert ja die EU-Gleichstellungspolitik und das gender-mainstreaming auf dem altfeministischen Gleichheitsaxiom.

    „Und während die Mädchen damit beschäftigt waren, sich ein neues Bild des Weiblichen und der Frau anzueignen, haben es die Männer versäumt, sich mit ihrer Rolle auseinanderzusetzen“ :

    Vätervereine setzen sich seit ca. 20 Jahren mit ihrer Rolle als Zahlvater auseinander, die Zwangsmilitarisierung von Männern durch die Wehrpflicht wird schon seit vielen Jahren kritisiert, jedoch besticht die feministisch hintergründige Politik durch verbale Aufgeschlossenheit bei anhaltender Verhaltensstarre.

    „Es gibt kein klares oder gar positives Bild vom Mann“ :

    Weil sich ja genug Institutionen und vor allem der klassische Feminismus Mühe gegeben haben, das Bild der Männlichkeit zu beschädigen. Ob dieses Phänomen einem Neidfaktor aufgrund vorwiegend männlich geprägter historischer Erfindungen (z.B. die Waschmaschine) entspringt wird derzeit noch kontrovers diskutiert. Und wenn man die immer wieder aufkeimenden Initiativen von Frauenrechtsorganisationen sieht, ist dieser Trend ungebrochen :

    „`Wenn ich groß bin schlage ich meine Frau`, eine Plakataktion im November 2008 in hunderten öffentlicher Busse und Zügen in Dallas, Texas, USA“. (Quelle : S. 35, Befreiungsbewegung für Männer).

    In Deutschland kennen wir ähnliche Szenarien.

    Ich muß leider mittlerweile einen angerichteten gesellschaftlichen und sozialen Scherbenhaufen sehen, den zu heilen und zu kitten wohl noch eine Generation in Anspruch nehmen wird. In der Zwischenzeit werden wir die menschliche Gesellschaft schaffen, indem wir die männliche überwinden (SPD-Grundsatzprogramm, S. 41) :

    „Daß wir dann zurück in der Steinzeit angekommen sein werden, ist der Preis für die sozialistisch-feministisch gewollte Überwindung des Männlichen. Ein Plus an Menschlichkeit ist dann sicher, und zwar genauso sicher wie die Erde eine Scheibe ist.“

    (Quelle : S. 89, Beitrag von Karin Jäckel in „Befreiungsbewegung für Männer“).

  3. Kennst du die ganzen Bücher eigentlich auswendig? 😉

  4. Natürlich nicht. Jedoch markiere ich mir beim Lesen dieser Bücher immer für mich besonders markante Zitate, um in Veröffentlichungen oder in Schreiben eine bessere Wirkung zu erzielen. Das ist marketingwirksam und ernüchtert den Beitrag. Das betrifft z.B. auch das Buch, Susan Pinker, Das Geschlechterparadox oder das neue Positionspapier vom BDA (Ursachen für Lohnunterschiede angehen, Positionspapier des BDA zur Entgeltungleichheit (Equal Pay) von Frauen und Männern, Januar 2009, S. 2) zum Thema Lohnschere, die ja schnell in den Medien feministisch hintergründig als „Diskriminierung“ herausgestellt wird – was nicht der Fall ist, sondern sachliche und selbstverursachte Gründe hat.

    Ich kann das Buch „Selbstbefreiung für Männer“ nur empfehlen, ist voller neuer Fakten, Hintergründe und Quellenangaben. Das macht argumentationssicher, bevor man als Mann so endet wie manche, die am „equal pay day“ 23% ihres Einkommes für Frauenprojekte gespendet haben und dafür mit weiblichem Beifall belohnt wurden.

    Da jedoch der Marx/Engels-sozialistisch verwurzelte Feminismus die traditionelle männliche Ritterlichkeit und männliche Schutzinstinkte braucht, lässt sich aus dem eingeredeten Schuldgefühl den Männern gegenüber bequem Kapital schlagen.
    Warren Farrel war ursprünglich auch Feminist, bevor sein Bruder beim Test eines lawinengefährdeten Schneebretts in den Bergen ums Leben kam, während seine Freundin im Sicheren wartete (Quelle : Prof. Hollstein, Was vom Manne übrig blieb, 2008).
    Das hat nachdenklich gemacht, daß da irgendetwas nicht stimmt. Männer sterben 6 Jahre früher, aber Frauen sind benachteiligt. Die Einstellung unseres Kulturkreises : selbst Schuld.

    Männer haben einen Bart und sehen nicht so niedlich und schutzbedürftig aus. Das ist das Katzen-Hummer-Syndrom. Zwackt der Hummer, wird er gekocht, kratzt die Katze, kommt der Katzenflüsterer. Genauso ist es bei Menschen auch.

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