Will die SPD keine Arbeitlose als Erzieher?

Zumindest drängt sich mir diese Frage auf, nach dem ich die kleine Anfrage zum Thema „Maßnahmen zur Gewinnung von mehr männlichen Fachkräften in Kitas“ gelesen hatte. Die SPD ist zwar ebenfalls der Meinung, das mehr Erzieher in Kindergärten und -tagesstätte müssen, aber beim besten Willen nicht auf Kosten einer Frau. Politisch und gleichstellungstechnisch gesehen müsste eine Quote für Männer her 😉

Ich selber bin im übrigen gegen eine Quote, logischwerweise bei Männern genauso wie bei Frauen. Kurioserweise will aber gerade die SPD Frauenquoten, speziell in Bereichen, wo diese unterrepräsentiert sind. Nun zur Meldung.

hib-Meldung • 2010_10/2010_331/13

Programm „Männer in Kitas“
Familie, Senioren, Frauen und Jugend/Kleine Anfrage – 15.10.2010

Berlin: (hib/AW/TYH) Die SPD-Fraktion verlangt Auskunft über das Programm ”Männer in Kitas“ der Bundesregierung, das am 1. Januar 2011 starten soll. In ihrer Kleinen Anfrage (17/3246) will sie unter anderem wissen, welche Schulabschlüsse, beruflichen Qualifikationen, Berufserfahrungen und Eignungen von Männern als Voraussetzung für die Teilnahme an der geplanten Umschulungsmaßnahme der Bundesagentur für Arbeit zum Erzieher erwartet wird [hier]

Zunächst einmal stelle ich eine Grafik ein, um einen Überblick der weiblichen und männlichen Erzieher an Kitas und Schulen aufzuzeigen.

anteil-lehrerinnen-und-lehrer-nach-schularten-in-deutschland2

Quelle: Statistisches Bundesamt 2004c, BMFSFJ

Das BMFSFJ schreibt auf seiner Homepage „Im Fokus – Mehr Männer in Kitas“ : Dennoch liegt der männliche Anteil am Gesamtpersonal immer noch bei 2,4 Prozent. Die genannte Zahl bezieht sich auf Kitas und hat sich seit 2004 nicht wesentlich geändert. Nun zur Anfrage der SPD, Frage Nr. 9:

Ist geplant, bei dieser Umschulungsmaßnahme arbeitslose Männer gegenüber arbeitslosen Frauen zu bevorzugen, die ebenfalls zu Erzieherinnen umgeschult werden wollen?
Wenn ja, wie begründet dies die Bundesregierung?

Ich frage mich allen Ernstes, was die SPD bei einem Anteil von 97,6% Frauen in Kitas als Begründung erwartet, sollte die Bundesregierung bestätigen, das Männer tatsächlich bevorzugt eingestellt werden sollen? Nun ja, wie lautet nochmals der männerverachtende Spruch im Grundsatzprogramm der SPD auf Seite 41?

Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.

Links
Koordinationsstelle: „Mehr Männer in Kitas“
Europäischer Sozialfonds für Deutschland: MEHR Männer in Kitas
BMFSFJ – Im Fokus: Mehr Männer in Kitas · Maßnahmen und Förderungen

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2 Kommentare.

  1. Max Mustermann

    Ich kann Ihnen nur zustimmen. Durch Aktionen wie diese wird ganz deutlich, um was es wirklich geht. Der Pfad der Gleichberechtigung wurde meines Erachtens schon seit langem verlassen. Es geht nicht mehr um Gleichberechtigung. Es geht vielmehr, wie Sie m.E. ganz richtig feststellen, darum, die „männliche Gesellschaft“, vor allem die vom „weißen, heterosexuellen Mann geformte, westliche Industriegesellschaft“ zu zerstören. Da ist es hinderlich, nicht die Gesamthoheit über den Nachwuchs inne zu haben.

    Männliche Lehrkräfte, die imstande sind eigenständig zu denken, könnten sich ja dagegen aussprechen, jungen Buben und Jugendlichen zu erzählen, sie hätten eine Vagina und „Testosteron“ wäre in generi eine schlechte Sache.

  2. SPD?

    tja, die „gute, alte Tante“ .. War das nicht mal diese Arbeiterpartei und wird nun immer „dämlicher“? Wie auch immer, diese Frauenbesorgtheit spricht nicht gerade für diesen Laden, der ja aktuell „die männliche Gesellschaft überwinden will“.

    Ob arbeitslose Männer, vielleicht auch noch unterhaltsverpflichtet oder mit viel Glück in intakter Familie, wieder in Lohn und Brot kommen, interessiert diese SPDlerInnen nicht (mehr). Hauptsache, die Quote stimmt – im Artikel kommt es ja mehr als deutlich zum Ausdruck. Quote = Frau !

    Waren die SPD und ihre Grünen Anhängsel nicht mal diese frauenthemenbewegten Gutmenschen, die mehr Männer und deren Beteiligung an Erziehung und Familie (ein)forderten? Und jetzt betreiben sie plötzlich in der Arbeitswelt den selben Lobbyismus, den sie bekanntermaßen (vgl. Zypries, DJB & Co.) im Familien(un)recht seit Jahrzehnten durchziehen.

    Wie auch immer – Zur Quote im allgemeinen -und was passiert, wenn dadurch Frauen benachteiligt werden, mal eine Info aus dem Femi-Musterland Schweden:

    Frauenquote soll abgeschafft werden – weil sie Frauen benachteiligt

    Nach Protesten gegen eine Quotenregelung für Frauen an schwedischen Universitäten will die Regierung in Stockholm die Initiative wieder aussetzen – weil sie Studentinnen benachteiligt. Die Vorschriften, wonach es an schwedischen Universitäten möglichst die gleiche Anzahl von Männern und Frauen geben soll, habe in Wahrheit zu einer Diskriminierung von Studentinnen geführt, schrieb der schwedische Hochschulminister Tobias Krantz am Dienstag in einem Beitrag für die Zeitung „Dagens Nyheter“. Gerade für bei Frauen beliebten Studiengängen wie Psychologie und Veterinärmedizin seien jüngst wegen der Quotenregelung bevorzugt Männer genommen worden, obwohl es mehr qualifizierte Frauen als Männer für die Studienplätze gegeben habe.

    Quelle Yahoo-News, Januar 2010:
    http://de.news.yahoo.com/2/20100112/tsc-schweden-will-minderheitenfoerderung-5fcb2b9.html

    Ich bin übrigens gegen die Quote, finde solche Scheinheiligkeit allerdings, wie oben beschrieben und von der SPD nun auch noch „befürchtet“, mittlerweile nur noch eins:

    Erbärmlich!

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