Säkulare Juden, empört Euch!

Das geplante Beschneidungsgesetz ist ein Sondergesetz für Juden. Zwar entspringt es keiner antisemitischen, sondern einer philosemiti­schen Intention. Trotzdem grenzt es jüdische Bürger aus und stellt eine enorme Beleidigung für sie dar. Vor allem sie selbst sollten sich daher dagegen empören.

Oberflächlich betrachtet mag das Beschneidungsgesetz für Juden positiv sein. Of­fen­bar wurden all ihre Forderungen erfüllt. Aber es profitieren nicht alle, sondern nur die orthodoxen und ultra-orthodoxen Juden von dem Gesetz. Die sind weltweit in der Minderheit, sogar in Israel bringen sie es auf gerade mal 17%. In Deutschland wird momentan von den besonders lautstarken Orthodoxen, aber auch von der Politik insgesamt, der Eindruck erweckt, als seien alle Juden tief religiös, als würden sich alle in der Frage der Beschneidung in einem Befehlsnotstand gegenüber ihrem Gott wähnen. Natürlich gibt es diese Leute, und sie haben wie alle Ultrareligiösen den Drang, für alle sprechen zu wollen. Aber es gibt auch sehr besonnene Stimmen, die in dieser Debatte durchaus auch eine Chance für die Juden selbst sehen. Es gibt auch liberale, säkular-humanistische, ja sogar atheistische Strömungen im Juden­tum, die durch die Debatte gestärkt werden.[..] Evidentist

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2 Kommentare.

  1. Derzeit weht der Wind dem Säkularismus gewaltig ins Gesicht – im Inland, wie hier dargelegt, aber auch weltweit. Zwei der einflussreichsten westlichen Länder – die USA und Israel (eine ähnliche Entwicklung gab es in der Türkei) – haben sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr vom Säkularismus abgewandt, was man in den USA u.a. an der christlich-konservativen Teaparty-Bewegung sehen kann und in Israel u.a. am enormen Erstarken der Ultra-Orthodoxen. Interessant ist auch ein Blick auf deren (und damit auch „unsere“) größten Feinde. Vor 15 Jahren gab es in der islamischen Welt noch große, gewichtige säkulare Länder: Irak, Syrien, Libyen. Na…? Was fällt uns da auf? Umgekehrt ist ausgerechnet der schlimmste, geradezu mittelalterlich fundamentalistische Gottesstaat, Saudi Arabien, „unser“ wichtigster Verbündeter in der arabischen Welt. Auch in Ägypten wird der Säkularismus zurück gedrängt – wie Kenner berichteten, mischten beim Arabischen Frühling bald auch westliche Diplomaten und Geheimdienste kräftig mit.

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass sich dahinter eine Strategie verbirgt. Irrationale, religiös motivierte Politik ist viel leichter manipulierbar und damit kontrollierbar und instrumentalisierbar.

    Ich sehe zwar keine direkte Verbindung zwischen diesen außenpolitischen Trends und dem anti-säkularen Beschneidungsgesetz, aber insgesamt macht mir das große Sorgen.

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