Mädchen und Frauen zuerst – bei der Bildung

Diese Forderung hält die SPD in einen Antrag mit dem Thema „Für eine bessere Bildungssituation weltweit“ für unerlässlich, der vorige Woche im Bundestag diskutiert wurde. Dass Mädchen und Frauen hier natürlich besonders benachteiligt sind, brauche ich vermutlich keinem zu erklären. Deshalb habe ich Fakten und Zahlen zur weltweiten Kinder­arbeit gesucht und bin fündig geworden.

Plenarprotokoll 17/126 • Deutscher Bundestag • Stenografischer Bericht
126 Sitzung • Berlin, Mittwoch, den 21. September 2011
Bildungssituation weltweit verbessern (PDF – 8 Seiten)

Bärbel Kofler (SPD):
[..]Jungen und Mädchen, insbesondere aber – wir haben es heute im Ausschuss gelernt – von Mädchen. 100 Millionen mehr Mädchen als Jungen müssen Kinderarbeit leisten und werden deshalb noch einmal explizit benachteiligt, wenn es um den Schulzugang geht.

Dazu bin ich bei terre des hommes fündig geworden, obwohl ich diese Organisation als nicht gerade neutral beim Thema Mädchen und Jungen betrachte. Dort gibt es 2 Seiten: Die Dimensionen der Kinderarbeit: Statistiken und Daten und Daten und Fakten zum Thema Kinderarbeit. Wie bereits in meinem Beitrag zum Thema Politi­ker und Jungenfeindlichkeit beschrieben, gibt es ca. 217 Millionen Kinder, die regel­mäßig mehrere Stunden am Tag arbeiten. Schaut man sich auf der Statistikseite um, ergibt sich daraus, das lediglich zwischen 6 und 11 Jahren 50,7% Mädchen arbeiten. Bei den anderen Daten führen die Jungen die Statistik an.

Bärbel Kofler (SPD):
[..]Weil es bei diesen Themen manchmal harmonisch zugeht und wir gemeinsame Ansätze haben, möchte ich zwei Punkte herausgreifen, bei denen ich deutliche Unterschiede sehe oder das Ministerium sehr dringend auffordern möchte, bei seiner Strategie nachzubessern. Der erste entscheidende Punkt ist das Thema „Mädchen und Frauen“. 
[..]Sie hätten heute die Gelegenheit, das zu heilen, indem Sie einfach unserem Antrag zustimmen; denn wir legen den Fokus explizit auf das Thema Mädchenbildung, auf das Thema Frauenbildung.
[..]Wenn wir hier mit unserer Bildungsstrategie eingreifen würden, dann – auch das ist uns heute vom Kinderhilfswerk PLAN noch einmal sehr deutlich gemacht worden – hätte das positive Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung der Länder, der Menschen und insbesondere der Frauen,
[..]Das Einkommen der Frauen würde sich ganz deutlich erhöhen. Das Wirtschaftswachstum – darauf legt die FDP immer so großen Wert – würde um bis zu 3 Prozent steigen, wenn nur 10 Prozent der Mädchen in den Entwicklungsländern eine Sekundarschule besuchen würden.
[..]Aber ich bitte Sie noch einmal dringend: Denken Sie an die Mädchen!

An was sollte man den sonst denken, Frau Kofler? Etwa an Jungen, die zwar nichts für ihr Schicksal können, aber das Pech haben, dem falschen Geschlecht anzuge­hören? Da hat PLAN in der Tat „gute“ Arbeit im Sinne des Gender Mainstreaming geleistet. Apropos Gender, diese Thematik durfte natürlich nicht fehlen.

Ute Koczy (Bündnis 90/Die Grünen):
[..]Jetzt haben wir gehört, dass nachgebessert wird; denn – man höre und staune – das Ministerium hat vergessen, das Gender Gap zu thematisie­ren. Mädchen- und Frauenförderung ist – das wird wahrscheinlich noch bis zum Herbst so sein – kein eigenständiges Ziel der BMZ-Bildungsstra­tegie.
[..]Ich frage: Wie will das Ministerium ohne ein solches Bekenntnis dafür sorgen, dass Mädchen und Frauen gefördert werden? Diese Chance ist vertan worden. Es freut mich natürlich, zu hören, dass das BMZ an dieser Stelle nachbessern will; denn wir brauchen eine klare Genderperspektive im Bildungssektor.
[..]Sie müssen aber mehr für die Mädchen und die Frauen tun.

Entwicklungsländer brauchen lediglich Perspektiven für alle Kinder.

Anette Hübinger (CDU/CSU):
[..]Stattdessen listen Sie davon losgelöst bekannte Probleme und Heraus­forderungen im Bildungsbereich von Entwicklungsländern auf. Dazu gehört auch die Mädchenfrage. Aber in dem Weltbankbericht, über den gestern in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet wurde, wird aufgeführt, dass in 45 Entwicklungsländern heute mehr Mädchen die Sekundarschule besuchen als Jungen und dass in 60 Entwicklungslän­dern mehr Frauen die Universität besuchen als Männer. Ich selbst habe auf meiner Reise gemeinsam mit Hartwig Fischer in Lesotho feststellen können: In den Schulklassen, die uns mit Gesang erfreuten, waren fast nur Mädchen. Warum? Weil die Jungen die Schafe hüten mussten.

Ich freue mich darüber, das es tatsächlich eine Bundestagsabgeordnete gewagt hat, auf die Ungleichheiten zwischen Jungen und Mädchen bzw. Frauen und Männer in den Entwicklungsländern hinzuweisen. Man wird ja mittlerweile bescheiden. Gegen Ende möchte ich noch darauf hinweisen, das die Linken mit keinem Wort auf die Geschlechterverhältnisse eingegangen sind. Bei meinen Recherchen bin ich dann noch auf das Mikrofinanz Wiki gestoßen – was es nicht alles gibt.

Weltbank veröffentlicht Weltentwicklungsbericht und betont eine Gleichstellung der Geschlechter
Der kürzlich von der Weltbank veröffentlichte Bericht zur Weltentwicklung 2012 stellt die Gleichstellung der Geschlechter und die Rolle der Frauen in der Entwicklung eines Landes in den Mittelpunkt. Werden in einem Land bessere Umstände und Möglichkeiten für Mädchen und Frauen ge­schaffen, so erhöht sich die Produktivität, Kinder erhalten einen besseren Start ins Leben und das Land entwickelt sich gesamtgesellschaftlich zu einem lebenswerteren Hort für die Bevölkerung. Mikrofinanz Wiki

Der Bericht zur Weltentwicklung 2012 gibt es nur auf englisch und ist im letzten Artikel verlinkt.

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3 Kommentare.

  1. Mir kräuseln sich die Haare, wenn ich den Unsinn, den Frau Bärbel Kofler von der SPD im Deutschen Bundestag erzählt, lese.

    Hoffentlich lesen viele diesen Wertvollen Artikel, damit mehr Abgeordnete sich über die Fakten erkundigen, bevor sie den Mund öffnen. So wie es Frau Anette Hübinger (CDU/CSU) es durch eigene Erfahrung und einfache Beobachtung selbst feststellen konnte und auch Gott sei Dank tat.

  2. Petition zur Förderung von Jungen « FemokratieBlog - pingback on 10. April 2014 um 11:09

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