Das Macho-Gehabe vieler Männer sei ein Problem

Der BMFSFJ-Ausschuss hat sich des Themas „Neue Perspektiven für Jungen und Männer“ angenommen. Schon der erste Satz unter Punkt A. „Problem“ im Aus­schuss-Bericht ist im Grunde genommen ein Witz, denn der Antrag verfolge das Ziel, Gleichstellungspo­litik auch auf Jungen und Männer zu erweitern. Die größte Sorge der Opposition ist allerdings die Verla­gerung der Hausmittel für Frauen- und Mädchenpo­li­tik, was auf keinen Fall geschehen dürfe, da die Benachteiligungen der Frauen nach wie vor ein zentrales, gesellschaftliches Pro­blem darstelle. Im Bundestag wurde dieses Thema im übrigen sagenhafte 50 Sekunden behandelt. 

A. Problem
[..]Zu kritisieren sei jedoch, dass der vorliegende Antrag Jungen zu Bil­dungsverlieren abstempele. Tatsächlich bestünden in einigen Bereichen Probleme bei der Schulreife, beim Erreichen des Klassenziels und auch im Hinblick auf Schulabbrüche.

Würden diese Probleme bei Mädchen vorhanden sein, wären führende Online-Medien mit diesem Thema reichlich ausgestattet. Es gäbe etliche Studien, die akribisch die Benachteiligungen belegen würden. Nun gibt es zwar eine finanzierte Studie vom Bildungsministerium mit dem Titel „Bildungsmisserfolg der Jungen„, das hält aber unsere „verehrten“ Abgeordneten nicht von der Behauptung ab, das Mädchen nach wie vor benachteiligt seien.

Die Studie des Deutschen Jugendinstituts, „Schlaue Mädchen – dumme Jungen?“ belege jedoch, dass von entscheidender Bedeutung nicht das Geschlecht der Kinder sei, sondern deren soziale Herkunft und das Bestehen bzw. Nichtbestehen eines Migrationshintergrundes.

Die soziale Herkunft spielt in der Tat eine Rolle, aber eben nicht die alleinige. Auch der Migrationshintergrund ist ein Entscheidungskriterium, aber wieso wurde dann eine Studie nur über weibliche Migrantenkinder bzw. Jugendliche erstellt? In meinem Beitrag “Die Wertschätzung jedes einzelnen Kindes ist entscheidend” bin ich auf dieses Thema etwas ausführlicher eingegangen.

[..]Weiterhin teile Die Linke die Sorge, dass infolge einer Verlagerung von Haushaltsmitteln die Mädchenpolitik unter der Jungenpolitik leiden werde. Dies dürfe jedoch auf keinen Fall geschehen. Darüber hinaus müsse Jun­gen und Männern Geschlechterdemokratie, Gleichbehandlung und die Vielfalt der Lebensweisen erklärt und vermittelt werden, was in dem vorlie­genden Antrag ebenfalls keine Erwähnung finde.

Die Anmaßung durch Gleichstellungsbefürworter ist in der Tat erschreckend.

[..]Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen begrüßte es, dass der vorliegende Antrag die Genderperspektive in den Vordergrund stelle. Es sei in der Tat ein wichtiges Anliegen, einseitige männliche Rollenzuschreibungen zu überwinden, wie es der Antrag fordere. Allerdings müssten auch einseiti­ge weibliche Rollenzuschreibungen überwunden werden. Das Geschlecht werde eben nicht nur biologisch festgelegt, sondern sei auch ein soziales Konstrukt. Es sei deshalb zu begrüßen, wenn die Koalitionsfraktionen mit ihrem Antrag auch deutlich machen wollten, dass das Macho-Gehabe vieler Männer ein Problem sei und den Jungen auf diese Weise problema­tische Vorbilder vermittelt würden.

Zu Machogehabe und Sozialkompetenz von Männern habe ich in diesem Blog ebenfalls etwas geschrieben. Passenderweise fängt der Beitrag mit einem Witz an 😉

[..]Dennoch habe der vorliegende Antrag auch gravierende Defizite. Insbe­sondere dränge sich der Eindruck auf, dass die Jungen- und Männerpoli­tik gegen die Mädchen- und Frauenpolitik ausgespielt werden solle. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, der Feminismus sei passé; ein solcher Eindruck werde jedoch auch durch die obskuren Äußerungen von Ministerin Dr. Schröder zum Feminismus begünstigt. Die Benachteiligung von Frauen sei nach wie vor ein zentrales gesellschaftliches Problem. BMFSFJ-Ausschuss-Bericht

Benachteiligungen ohne Ende bei Frauen und Mädchen, weswegen ich mir die Frage stelle, wann diese endlich vorbei sind?

Nach dem Ausschuss-Bericht habe ich mir die letzten Plenarprotokolle angeschaut, weil ich wissen wollte, ob dieses Thema in der letzten Zeit auf einer Tagesordnung stand. Am Tag der Abstimmung über die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) hat sich der Bundestag mit diesem Thema 50 Sekunden beschäftigt. Da der Bericht der 130. Sitzung aus über 300 Seiten bestand, habe ich die zu Protokoll gegebenen Reden in einem 9-seitigen PDF-Dokument zusammen gefasst.

Fazit: es ist einfach unglaublich, wieviel Raum durch Bundestagsabgeordnete Frauen und Mädchen bei einem Thema über Jungen und Männer gegeben wird. Eine Zählung bei dem Wort Frauen gab über 50 Treffer, bei den Mädchen waren es 35 Treffer. Geht es im Bundestag aber um Frauenthemen, findet man das Wort Männer höchstens in der scheinheiligen Floskel „Frauen und Männer“. Würden Jungen und Männer ebenso viel Platz bei Frauen- und Mädchenthemen im Bundestag einnehmen, wären wir der gesetzlichen Gleichberechtigung vermutlich schon sehr nahe.

Was die Taz daraus gemacht hat, kann man nachfolgend lesen.

Neue Jungspolitik der Regierung
Männer als Frauenbeauftragte

Die Opposition ist wenig begeistert von Schröders neuer schwarz-gelber Männerpolitik. Einseitige Förderung für Jungen und Männer? Nicht zielfüh­rend, so der Tenor.

Männer sollen in Zukunft Gleichstellungsbeauftragte werden können. Dieses Vorhaben führt direkt zu einer der Tücken der neuen Jungen- und Männerpolitik der Bundesregierung. Es ist eine von 19 Forderungen im Antrag der Regierungskoalition zum Thema „Neue Perspektiven für Jungen und Männer“, der am Donnerstagabend im Bundestag debattiert wurde.

Die letzte Aussage ist schon mal gelogen, es wurde eben nicht darüber diskutiert im Gegensatz zu Frauenthemen, die einen breiten Raum in Plenardebatten einnehmen. Wer dieses überprüfen will kann das gerne machen. Der Bundestagsvizepräsident Dr. Solms hat um 21:06:45 Uhr lediglich zur Abstimmung aufgerufen. Mediathek des Bundestages. Eine Abstimmung ist nun mal keine Bundestagsdebatte. Weiter bei der Taz:

Wenn man Gender-Politik ernst nimmt, muss man beide Geschlechter ansprechen, ist der Gedanke dahinter. Und ein emanzipatorischer Mann kann das als Gleichstellungsbeauftragter ebenso wie eine fortschrittlich denkende Frau. Was aber, wenn ein männlicher Geschlechterkämpfer und Frauenverachter auf die Stelle rückt? TAZ

Vertauscht man die Worte, kommt schlicht folgendes heraus:  „Was aber, wenn eine weibliche Geschlechterkämpferin und Männerverachterin auf die Stelle rückt?“ Nun ja, auf dieser Stelle sitzen jene Frauen schon seit Jahr und Tag und keinen hat es interessiert. Im Gegenteil, als die Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling sich tatsächlich auch um Jungen- und Männerbelange kümmerte, wurde diese mit großer Mehrheit in Goslar abgewählt.

Plenarsprotokoll 17/130 des Bundestages vom 29.09.2011; ab Seite 197 bis Seite 204 – die Reden wurden zu Protokoll gegeben.

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5 Kommentare.

  1. Ich koche vor Wut wäre ich diese Reden der Parteien gelesen habe, besonders jene der Linken Parteien Grüne, Linke und SPD. wie kaltschneuzig und unmoralisch kann man sein, dass man die Bildungsmisere so herunterspielt und verharmlost.

    Nein die Politik ganz besonders die linken Parteien regieren ganz fernab von der Öffentlichkeit, sie haben mit diesen Reden ganz eindeutig und zum wiederholten Mal gezeigt, dass sie mit der Männerechtsbewegung nichts zu tun haben wollen, und sich der Realität mit extremer Verbissheit verweigern.

    Wir scheißen auf Jungen und Männer und deren Probleme
    Gender-Ideologie vor Realitätsnähe,
    so könnte man den Inhalt der Reden der linken HerrschaftInnen zusammenfassen.

    Mag sein, dass die Jungen- und Männer bei den Rechten halbherzig und hohl ist, aber wenigstens sind sie über eine ideologische Vorstellung vom Mann als ewigen Täter und Unterdrücker hinweg.

    Vielleicht sollte es auch erwähnt werden dass es FÜR DIE GESAMTE deutsche POLITIK ,nicht nur die Geschlechterpolitik, ein schlechtes Zeichen ist, wenn Ideologie vor eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit gestellt wird, und irgendwelche linken Ideologen versuchen die Realität ihren ideologischen Dogmen anzupassen.

    Gott erlöse uns von diesem Staat

  2. „und irgendwelche linken Ideologen versuchen die Realität ihren ideologischen Dogmen anzupassen.“

    Das ist nun mal bei den linken und rechten Spinnern so. Das beweist das Dritte Reich und die UDSSR. Mit solchen Menschen kann es kein Fortschritt geben. Oder wundert sich keiner, wieviele Meldungen über absolutes Versagen der Judikative, Legislative und Exkutive in den Medien auftauchen?

    Nein, ich tue es nicht und so wird unser Land zugrunde gehen. Dann können wir es erneut aufbauen. Dann folgt hoffentlich eine Entideologisierung.

  3. „irgendwelche linken Ideologen versuchen die Realität ihren ideologischen Dogmen anzupassen.“
    Das ist nun mal das Prinzip linker (und brauner, grüner und lila) Ideologie!
    Alle wollen den NEUEN Menschen schaffen, die einen den „arischen“, die andern den sozialistischen, die nächsten den „natürlichen“ und die letzten den geschlechtsneutralen/-losen und sind bereit dabei über Leichen (solange es nicht die eigenen sind) zu gehen!
    Ob rot, grün, braun oder lila angepinselt, unter der Farbe tobt der alte Ungeist!“
    Daß die Linken von Gender begeistert sind, ist verständlich, ist es doch nichts anderes als Sozialismus durch den Seiteneingang!

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