Kristina Schröder fordert Länder zu schnellerem Kita-Ausbau auf

Realität und Wunschdenken klaffen mal wieder wie so oft auseinander. Während Kristina Schröder bedauert, dass die Mittel für den Ausbau von Kitaplätzen zwar vor­handen sind, aber nicht abgerufen werden, jammern sämtliche Medien darüber, dass es zu wenig Plätze gibt. Woran liegt das nun?

Kann es vielleicht sein, das einfach nicht so viele Plät­ze gebraucht werden, wie immer wieder suggeriert wird? Frauen ohne Abitur wollen z.B. laut einer Studie nach der Geburt sowieso lieber zu Hause bleiben, sich um Kinder und Haushalt kümmern und höchstens einen Teilzeitjob ausüben. Allerdings frage ich mich auch, was dieses Gejammer nach Kitaplätzen soll, wenn es einen Rechtsanspruch für einen Kindergartenplatz von Montag bis Freitag nur bis 12 Uhr gibt?

Nachfolgend nun ein paar ausgewählte Meldungen der Medien. Nach dem lesen habe ich mich allerdings gefragt, ob Journalistinnen von der Wirtschaft dafür bezahlt werden, solche Artikel zu schreiben? Immer mehr Frauen erheben nämlich ihre Stimme und sagen, das sie den Druck teilweise unerträglich finden, der auf sie ausgeübt wird, denn, man höre und staune, auch Akademikerinnen sind nicht alle Karriere orientiert.

Den Vogel hat aus meiner Sicht der Präsident des Kinderschutzbundes abgeschos­sen, der meinte: Das Recht auf frühkindliche Bildung ist nicht verkäuflich. Mal unab­hängig davon, das allerorten die mangelnde Bildung von Kindergärtnerinnen moniert wird, was will man Babys und Kleinkindern denn an Bildung vermitteln? Vielleicht Schillers Glocke vorlesen oder Mozart, Bach und Haydn vorspielen? Wenn der Präsident dann auch noch der Meinung ist, die Betreuungsprämie sei der falsche Weg, dann frage ich mich, wen dieser eigentlich vertritt, die Kinder oder die Wirtschaft? Wie wäre es dann mit einem Verbot der familiären Betreuung? Das müsste dann ja schlussfolgernd der richtige Weg sein, oder? Alle Babys nach der Geburt in die Krippe, damit sie frühst möglich die entsprechende kindliche Bildung erhalten, wozu Eltern anscheinend nicht in der Lage sind.

Länder rufen Bundesmittel nur teilweise ab und investieren zu wenig eigene Mittel
Die Länder kommen beim Kita-Ausbau nicht schnell genug voran. Von den 2,15 Milliarden Euro, die der Bund bis 2013 im Sondervermögen „Kinderbetreuungsaus­bau“ bereitgestellt hat, sind zwar 80 Prozent (gut 1,7 Milliarden Euro) an die Länder bewilligt, aber bis zum Oktober 2011 erst 58 Prozent (gut 1,2 Milliarden.) für fertige Baumaßnahmen abgerufen worden. Das bedeutet: Im Investitionsprogramm des Bundes stehen noch 400 Millionen Euro für die Planung neuer Plätze zur Verfügung; 900 Millionen Euro von den bewilligten Mitteln wurden noch gar nicht abgerufen.

„Am Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz werde ich nicht rütteln, der Druck muss im Kes­sel bleiben“, sagte die Bundesministerin für Familie, Frauen, Senioren und Jugend, Kristina Schröder, heute (Dienstag) in Berlin. [..] BMFSFJ

25,4 % der unter 3-Jährigen in Kindertagesbetreuung – geringerer Anstieg in 2011
Die Zahl der Kinder unter 3 Jahren in Kindertagesbetreuung ist zum 1. März 2011 gegenüber dem Vorjahr um rund 45 000 auf insgesamt 517 000 Kinder gestiegen. Der Anstieg ist jedoch deutlich geringer als im Vorjahr: Zwischen März 2009 und März 2010 hatte sich die Zahl der Betreuungsplätze noch um rund 55 000 Plätze erhöht. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, lag am 1. März 2011 der Anteil der in Kindertageseinrichtungen oder in öffentlich geförderter Kindertagespflege betreuten Kinder an allen Kindern dieser Altersgruppe (Betreuungsquote) bei 25,4 % (2010: 23,1 %).[..] Destatis

Warum es keine Wutmütter gibt
Über den Betreuungnotstand und das Schweigen der Betroffenen
Der Ausbau von Kita-Plätzen kommt nur schleppend voran. Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamt liefern keine große Überraschung. Aber wie kommt es, dass die Schwierigkeiten mit der Kinderbetreuung, obwohl sie seit langem bekannt sind, nicht mehr Protest bei den Betroffenen hervorrufen? Barbara Streidl vermutet, dass die Mütter – die das Problem in den meisten Fällen auszubaden haben – noch immer denken: Eine gute Mutter kümmert sich selbst. Und Zeit zu demonstrieren haben sie sowieso nicht. WDR 5

Der Beitrag vom WDR ist der beste überhaupt. Die Autorin fragt sich, warum man keine wütenden Frauen auf den Straßen sehen würde? Auch auf dem Land würde man keinen Hahn und keine Hähnin sehen. Es wäre den Frauen nicht vorzuwerfen, also jenen Wunderwesen, die den ganzen Tag rennen, zunächst in die Krippe, dann ins Büro, in der Mittagspause zum einkaufen und am Nachmittag im Businesskostüm um den Spielplatz herum. Sie hätten keine Zeit für Online-Petitionen oder gar einer Verfassungsklage. Stattdessen würden sie improvisieren und neben dem Halbtagskitaplatz noch eine Tagesmutter suchen, usw. usf.

Kita-Plätze statt Betreuungsgeld
Das Recht auf frühkindliche Bildung ist nicht verkäuflich
Ein herzliches Dankeschön an die Statistiker im Wiesbadener Bundes­amt. Danke dafür, dass sie uns gerade heute über die gut 230.000 fehlen­den Betreuungsplätze informieren – zwei Tage, nachdem sich die Koalition auf ein völlig überflüssiges Betreuungsgeld verständigt hat.

Und damit wird offensichtlich, dass diese Regierung den Kindern das Recht auf frühkindliche Bildung günstig abkauft. Genau so hat es der Präsident des Kinder­schutzbundes heute treffend formuliert. 100 oder 150 Euro Betreuungsgeld monat­lich, das ist etwa ein Zehntel dessen, was der Staat für einen Krippenplatz hinlegen müsste.[..] Es ist genau die falsche Entwicklung…

[..]Was wir brauchen, sind mehr Kita-Plätze und mehr gut ausgebildete Erzieher. Was wir nicht brauchen, ist eine Betreuungsprämie, mit der CSU-Politiker krampfhaft den konservativen Markenkern retten wollen. Dank den Statistikern, dass sie uns heute noch einmal daran erinnert haben! dradio

Schlechte Betreuungsquote – 230.000 Kitaplätze gesucht
[..]Dass das Kitaausbau-Ziel 2013 erreicht wird, damit rechnet momentan niemand. Ohnehin wäre dann lediglich ein Drittel aller unter Dreijährigen betreut. Eine Umfrage des Deutschen Jugendinstituts ergab, dass knapp 40 Prozent aller Eltern einen Kitaplatz benötigen. TAZ

Gute Beratung – wenige Kitaplätze
Studieren mit Kind
Babys sitzen mit in Vorlesungen, Seminaren und Sprechstunden – auch, weil es immer noch nicht genug Betreuungsangebote für studierende Eltern gibt. Für die Eingeschriebenen bedeutet das ein Spagat zwischen Familie und Studium – ohne das Verständnis aller Beteiligten wäre das nicht möglich. dradio

Kinderkrippe oder Mutter und Vater
Hier wird ein Buch rezensiert, das eine erfahrene Mutter geschrieben hat: Kinder brauchen Mütter. Lesenswert!! Zunächst erst einmal nur die Rezension, das Buch kostet leider knapp 20 €

[..]Ich finde es im Zusammenhang mit dem möglichen verdeckten „Krippenzwang“ schon gut, dass sich jemand mit Erfahrung öffentlich äußert. Nur – die die es wirklich angeht, werden sich davon nicht beirren lassen. WGvdL.com-Forum

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3 Kommentare.

  1. Sehr gute Zusammenfassung! Man fragt sich eigentlich tatsächlich „Warum überhaupt Kinder?“, wenn die mit 1 Jahr in der Krippe landen.
    Das eine Jahr ist doch auch nur, damit die Frauen nicht zur Arbeit gehen mit Pumpe und Fläschchen! Eine Aktion freie Pumpe und Fläschchen, dann geht es noch früher!

    Den Eltern wird durch diese forcierten Angebote so richtig „Laune“ auf Kinder gemacht, keine Kinder zu bekommen.

    Ach ich vergaß, Deutschland hat ja zu viel zu viele Kinder und zu wenige Pensionierte! Ich frage mich immer öfter, bei wie vielen Leuten die Klo-Spülung täglich im Gehirn nicht funktioniert, wenn ich die Artikel der Zusammenfassung oben sehe.
    Es wird nun immer mehr zur Massen-Spül-Psychose, auch gut, dann haben Psychologen und Psychiater etwas mehr Arbeit, bei all den leeren Uni Lehrsälen, die sind sowieso so billig zu haben, wie die Familiengerichte immer wieder zeigen.
    Weiter so, der menschliche Fortschritt ist Deutschland gewiss, irgend wer muss ja der Welt zeigen was Fortschritt ist.
    Vielleicht könnte man dann in beispielsweise in Somalia etc. auch besser hochgradige Jobs und Kinder organisieren, die sind dort doch so benachteiligt!

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