Weiteres Jugendamt versagt

Ein Artikel in der Giessener Zeitung über die Arbeit eines Jugendamtes, in der trotz Betreuung einer Familie vier Kinder sexuell missbraucht und Gewalt angewendet worden war, hat mal wieder meinen (nicht vorhandenen) Glauben an unseren Rechtsstaat erschüttert.

2008 hatte ein Stadtverordneter auf Grund der oben genannten Fakten einen Antrag eingereicht, um Auskunft über die Berufsausbildung der Jugendamtssachbearbeiter zu erhalten. Der Magistrat (als Empfänger der Anfrage) riet darauf am 05.05.2008 dem Fragesteller, die Anfrage zurückzuziehen, sonst würde man ihn (warum auch immer) des Mandatsmißbrauchs bezichtigen. Über diese traurige Posse hat Prof. Dr. Aris Christidis in der Giessener Zeitung berichtet, da am 23.02.2012 eine Gerichtsverhandlung gegen die GAZ anberaumt war.

Verhöhnung von Kinderrechten? Verleumdung von Dissidenten? Oder Pressefreiheit?

[..]Nach mehrfachen Vorwürfen Betroffener, die Qualifikation der Gießener Jugendamtsmitarbeiter sei inadäquat, um etwa falsche Ernährung oder Dehydrierung, innere Verletzungen, Einschüchterung, Traumatisierung etc. bei Kindern zu erkennen, reichte der Kläger (damals Stadtverordne­ter) für die Sitzung des Gießener Stadtparlaments am 08.05.2008 eine Anfrage zu den im Amt vertretenen Berufsausbildungen ein.[..]

Für die Sitzung vom 18.12.2008 reichte die Fraktion des Klägers den An­trag ein, bei den anstehenden Neueinstellungen wenigstens einen Psy­chologen und einen Arzt hinzuzunehmen, was der Kläger vor dem Stadt­parlament begründete. Die Reaktion war ein Aufschrei (Jugendamtsmit­arbeiter seien doch gewissenhaft!), die beantragende Fraktion sah sich mehrheitlich veranlaßt, den Antrag zurückzuziehen. Zwei Tage später (am 20.12.2008) bezeichnete der Reporter der GAZ die Rede des Klägers als „wirr“ und machte die Drohung des Magistrats wahr, dem Kläger Mandats­mißbrauch vorzuwerfen (ohne dies zu konkretisieren).[..] Giessener Zeitung

Um den Beitrag zu verstehen, muss man den kompletten Artikel lesen. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Chuzpe Anfragen über die Arbeit der Jugendämter behandelt werden. Man könnte glauben, es geht Politikern und Jugendamtssachbear­beiter gar nicht um die ihnen anvertrauten Kinder, sondern lediglich um ihre eigenen Anliegen. Solange inkompetente Menschen dieses Amt ausfüllen, solange werden Kinder in dieser Gesellschaft wenig Chancen auf eine angemessene Zukunft haben.

Prof. Klenner: Der Wandel im Selbstverständnis deutscher Jugendämter

[..]Vor dem Inkrafttreten des KJHG musste vor einer Inobhutnahme die Zu­stimmung des Vormundschaftsgerichts eingeholt werden. Auch bei Ge­fahr im Verzuge. Jetzt ist die Zustimmung des Familiengerichts unverzüg­lich nach erfolgter Inobhutnahme einzuholen. Wenn diese Maßnahme am rechten Ort und zur rechten Zeit ergriffen wird, ist das die einzige ange­messene Vorgehensweise. Leider hat sie eine Kehrseite. So unkompli­ziert und unmittelbar, wie sie durchzuführen ist, so leicht schlägt die Inobhutnahme in der Hand gedankenloser sogenannter fallbeauftragter Fachkräfte alle guten Vorsätze zur Gewährleistung des Kindeswohls in den Wind. Meist ohne Ankündigung oder gar Vorbereitung unter Ausnut­zung des Überraschungseffekts und immer in der Meinung, eine gute Tat zu tun, werden Neugeborene aus dem Wochenbett ihrer Mütter entführt, andere auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten oder von der Schule abgefangen, wenn sie nicht gar in einer Nacht- und Nebelaktion aus der elterlichen Obhut fortgerissen werden.

Als gerichtlich beauftragter Sachverständiger stellt man dann fest, hier sollten die Eltern geschlagen beziehungsweise gemaßregelt werden und die Kinder werden getroffen. Macht man darauf aufmerksam, dies zuerst aus der Sicht der Kinder zu verstehen, indem man sich durch Empathie (Einfühlung oder Takt und Fingerspitzengefühl) bemüht, die Welt mit den Augen des Kindes zu sehen, muß man mindestens darauf gefasst sein, damit auf Unverständnis zu stoßen.[..] GAZ

Ein kurzer, prägnanter Beitrag über die Entstehung der Jugendämter und den heuti­gen, nachteiligen Veränderungen. Der letzte Satz von Prof. Klenner sagt m.E. alles aus.

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1 Kommentare.

  1. Michael Baleanu

    Diese Art der „Behandlung“ von JA-Problemen entwickelt sich langsam zum Standard.

    Der Leiter des JA Altenkirchen, zuständig für den Missbrauchsfall in Fluterschen wurde bei der StAnw Koblenz angezeigt.

    Gleichzeitig wurde auch ein Gutachten zur Rolle des JA in Auftrag gegeben: Auftragnehmer ein Richter aus Frankfurt!

    Heute hat das Gutachten das JA entlastet:
    http://www.rhein-zeitung.de/fotos/bilder-regional_mmid,12189.html

    Die StAnw hat rechtzeitig vor Veröffentlichung des Gutachtens das Verfahren gegen den JA-Leiter eingestellt:
    http://www.rhein-zeitung.de/regionales_artikel,-Fluterschen-Ermittlungen-gegen-Jugendamt-eingestellt-_arid,278350.html

    Sauber!

    Wer sich über die Verhältnisse in der hessischen Justiz informieren möchte, braucht lediglich diesen Link eingehender studieren:
    http://www.die-richterin.com/wolskis/wolskis.html

    Das ist kein Rechtstaat mehr!

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