Horst Arnold – Wenn der Staat zum Täter wird I

Am Donnerstag, den 25.04.2013 waren mein Mann und ich beim Prozessauftakt wegen schwerer mittelbarer Freiheits­beraubung gegen Heidi Külzer. Diese hatte den Lehrer Horst Arnold wegen Vergewaltigung angezeigt. Horst Arnold kam in Untersuchunghaft, wurde zur Höchststrafe verurteilt und muss­te die gesamte Strafe mangels „Einsichtsfähigkeit“ absitzen. Am 5. Juli 2011 wurde Horst Arnold freigesprochen, aber erst am 09. Februar 2012 erlangte das Urteil Rechtskraft, da Heidi Külzer Revision eingelegt hatte. Fast genau 10 Jahre nach Urteilsverkündung starb Horst Arnold an Herzversagen.

Vorab noch folgendes zur Verhandlung: schaue ich mir meine und die Notizen meines Mannes an, so merke ich, wie durcheinander alles war, was allerdings auch an der Richterin lag, die immer wieder auf ein bereits zuvor geschildertes Erlebnis zurück kam. Es gab so viele Ungereimtheiten, dass ich diese gar nicht komplett aufschreiben kann, da der Bericht sonst einfach zu lang würde. Deswegen kann ich auch die Reihenfolge des Erzählten nicht garantieren und fasse an einigen Stellen die Aussagen zusammen.

Als ich die Anklage vernahm, glaubte ich fast, mich verhört zu haben. Natürlich ist Heidi Külzer der Auslöser und sie trägt auf jeden Fall die moralische Schuld und Verantwortung, aber nicht sie, sondern der Staat hat Horst Arnold verurteilt und ihn keinen Tag früher als 5 Jahre aus der Haft entlassen.

Dabei gab es im Vorfeld genügend Hinweise, dass da einiges nicht stimmen konnte, wie auch auf der Webseite von Odenwald.TV zu sehen ist. Im Film wird u.a auch der zuständige Kriminalkommissar zu den im Vorfeld stattgefundenen Ermittlungen befragt.

Nachdem die Staatsanwältin die Anklage vorgelesen hatte, belehrte die Richterin zunächst das anwesende Publikum, das keine Handy, Laptops oder ähnliche technische Geräte während der Verhandlung laufen dürften, da sonst die Gefahr einer Übertragung während der Verhandlung gegeben sei.

Dann fragt die Richterin zunächst nach den Personalien von Heidi Külzer. Sie wurde am 07.10.1964 in Elspe/Lennestadt geboren. Der Vater war Bautechniker, die Mutter Krankenschwester. Sie hatte 4 oder 5 Brüder, einer ist davon bereits tot. Die 3 älteren stammen aus der 1. Ehe ihres Vaters. Dessen 1. Ehefrau verstarb und in einer neuen Ehe bekam er noch 1 oder 2 Söhne und die Tochter Heidi. Leider war die diesbezügliche Aussage für mich zu konfus, weshalb ich keine genauen Angaben machen kann. Bei den andere Aussagen sah es oftmals ähnlich aus, aber dazu später mehr.

Auffallend war von Anfang an, dass sie stets von Traumatisierung sprach. Diese Behauptung durchzog den kompletten Vormittag. Sie fing mit ihrem beruflichen Lebenslauf an. Ständige Wechsel und Umzüge kennzeichneten ihren Werdegang. Nach dem Abitur fing sie ein Chemiestudium an, welches sie aber auf Grund ihrer Schwangerschaft abbrach. Deswegen absolvierte sie zunächst eine Ausbildung als Versicherungskauffrau bei der Allianz. Das hätte sie getan, weil sie unbedingt das elternunabhängige BAFÖG kassieren wollte. Später wurde sie von einem Gutachter zu dieser Aussage befragt, da sie ihm etwas anderes erzählt habe.

Nachdem sie immer wieder Jahreszahlen durcheinander brachte und die Richterin sie darauf ansprach, erzählte sie, dass sie nach ihren Therapien nicht mehr in der Lage sei, genaue Jahresdaten anzugeben. Leider sind dadurch auch meine Notizen nicht so genau, da ich dem hin und her, was falsch und was richtig war, nicht immer folgen konnte.

Irgendwann hat sie ihr Studium wieder aufgenommen und an der Uni Bielefeld Deutsch und Biologie studiert. Als sie während ihrer Aufzählungen nach etlichen Stationen am Gymnasium der Georg-August-Zinn-Schule in Reichelsheim ankam, ging es los und sie behauptete weiter, von Horst Arnold vergewaltigt worden zu sein.

Was danach folgte, war für mich schier unfassbar. Die Richterin sprach mit Frau Külzer ständig über ihre Vergewaltigung. Sinngemäß lauteten ihre Fragen: Wann ist die Vergewaltigung geschehen? Wie ist die Vergewaltigung abgelaufen? Was haben sie nach der Vergewaltigung gemacht? In diesem Sinne wurde der ganze Komplex behandelt. Ich konnte die Fragen seitens der Richterin einfach nicht nachvollziehen, aber auch die anderen Zuschauer schüttelten mit dem Kopf.

Horst Arnold wurde freigesprochen, aber nicht alleine deswegen kann es keine Vergewaltigung gegeben haben. Hinzu kommt noch, dass es in Deutschland mehr als schwierig ist, ein Wiederaufnahmeverfahren zu erlangen und alleine diese Tatsache spricht gegen die Behauptungen seitens Frau Külzer. Das Landgericht Kassel hatte die Überzeugung gewonnen, dass die angeklagte Tat sich nicht zugetragen habe und die entsprechenden Angaben der Nebenklägerin als falsch zu werten seien. Des weiteren hat Horst Arnold die ihm angebotenen frühere Entlassung bei Schuldeingeständnis ausgeschlagen. Welcher Täter würde freiwillig weiter in einer Hölle leben wollen, wenn er seine Freiheit viel früher erlangen kann?

Heidi Külzer erzählte, dass Horst Arnold ihr schon am ersten Tag unangenehm aufgefallen sei. Er habe nach Alkohol gerochen und von Anfang an obzöne Dinge gesagt oder angedeutet. Auch habe er behauptet, er hätte gute Beziehungen zu verschiedenen höheren Stellen und schon so einiges gemacht, was immer wieder mangels Beweise vor Gericht nieder geschlagen worden sei. Trotzdem soll er ihr das Angebot gemacht haben, den Fachvorsitz über Biologie, den er innehabe, an sie abzugeben, da er die Schule verlassen wolle. Später sagte sie dann, dass der Fachvorsitz an sie heran getragen worden und Horst Arnold deswegen nicht erfreut gewesen sei. Von Anfang an habe sie Angst vor Horst Arnold gehabt, da ihr verschiedene schlimme Dinge erzählt worden seien. So soll er sich öfters vor Jungen nackt gezeigt haben, habe Hand an Kinder gelegt und Frauen bedroht. Von wem diese Aussagen stammten, wusste sie nicht mehr.

Nun komme ich zu den Schilderungen der Heidi Külzer zur angeblichen Tat. Sie sei im Vorbereitungsraum damit beschäftigt gewesen, vor einem hohen Tresen Erbsen in Petrischalen für ein Experiment zu sortieren. Dann hätte Horst Arnold den Raum mit einer Alkoholfahne betreten. Die Frage der Richterin, ob er etwas zu ihr gesagt habe, konnte sie nicht beantworten. Dann habe er ihr gesagt: ich zeigs Dir und sie von hinten geboxt und getreten. Die Richterin fragte, ob sie sich nicht umgedreht hätte und darauf meinte sie, er habe sie von hintgen gegen den Tresen gedrückt. Mit der linken Hand habe er ihr den Mund zugehalten und mit der rechten Hand den Wickelrock hoch- und den Tanga zur Seite geschoben und sei in sie von hinten eingedrungen. Als er sie umdrehen wollte, um sie auch vaginal zu vergewaltigen, hätte sie fliehen können. Horst Arnold habe ihr beim weglaufen gedroht, sie und ihren Sohn umzubringen, falls sie etwas erzählen würde, weshalb sie geschwiegen hätte.

Nach der Schilderung stellte die Richterin weitere Fragen: ob sie sich gewehrt oder geschrien habe und darauf meinte die Angeklagte, das sie nicht hätte schreien können, es wäre einfach kein Ton heraus gekommen. Gab es einen Samenerguss, wollte die Richterin wissen, was verneint wurde. Sie habe gesagt, dass er sie auch vaginal habe vergewaltigen wollen. Dass wäre nicht gegangen, da sein Glied mittlerweile erschlafft gewesen wäre. Als die Richterin wissen wollte, was danach geschehen sei, wusste Heidi Külzer nicht mehr weiter, sie habe keine Erinnerung mehr. Es seien einige Blackouts vorhanden. Sie wäre erst wieder richtig bei sich gewesen, als es beinahe zu einem Autounfall gekommen wäre. Sie wäre dann nach Hause gefahren, habe sich geduscht und ihre Sachen gewaschen.

Dann wollte die Richterin wissen, warum sie nicht sofort Anzeige erstattet habe. Das hätte sie wegen den Drohungen unterlassen. Wann genau sie bedroht worden wäre? Später inkl. obszöner Gesten. Warum sie sich nicht der Polizei anvertraut habe oder jemand anderem? Aus Schutz für sie und ihren Sohn. Solange sie nichts sagen würde, so hoffte sie, würde er sie ihn Ruhe lassen. Es folgen weitere Fragen zu der Zeit nach dem angeblichen Geschehen, die ich im Moment noch nicht wiedergebe.

Dann geht es wieder um die angebliche Tat. Nach Erscheinen von Horst Arnold im Vorbereitungsraum hätten sie zunächst normal miteinander geredet und danach sei die Tat geschehen. Das trug die Richterin aus einem Polizeiprotokoll vor und wollte wissen, ob das so stimme. Das bejahte Heidi Külzer. Es wurden wieder Details der angeblichen Tat vorgetragen. Irgendwann meinte die Richterin, dass sie im Vernehmungsprotokoll nichts über Vaginalverkehr finden würde. Es könne sein, dass das bei der ersten Vernehmung nicht so genau war. Später wäre das aber anders gewesen, meinte darauf die Richterin. Da wäre mehr nachgefragt worden, sagte Frau Külzer.

Dann spricht die Richterin davon, das Heidi Külzer erzählt habe, in den Schwitzkasten genommen worden zu sein. Nun wird es irgendwie kompliziert, weil Heidi Külzer jetzt andere Versionen von sich gibt. Sie sei mit einer Hand in den Schwitzkasten genommen worden, sie war über den Tresen gebeugt, sie habe sich gewehrt, er habe versucht, sie vaginal zu vergewaltigen, konnte sich dann aber losreißen. Irgendwann meinte die Richterin, es gäbe eine weitere Variante. Sie habe erzählt, dass Horst Arnold sie mit Ellenbogen ins Brustbein gestoßen und am Halsansatz gedrückt habe. Dabei sei ihr die Luft weggeblieben. Er habe sie auch mit der Faust in den Unterleib geschlagen. Außerdem habe er seinen Penis angefasst und diesen bewegt, das habe sie aber nicht gesehen, sondern gefühlt, gestand sie auf Nachfrage der Richterin.

Die Richterin wollte dann wissen, ob das so ihre Erinnerungen wären und ob die Bewegungen so gewesen seien, um eine Erektion zu bekommen. Das wurde bejaht und die Richterin meinte weiter aus dem Protokoll, der vaginale Versuch wäre nicht gegangen, dann habe er sie geboxt und getreten. Ja und er habe mit seinem Knie in ihre Genitalien getreten, dadurch habe sie fliehen können, die Treppe runter und in einem Gebüsch habe sie sich übergeben.

Hier mache ich erst einmal Schluss. Ich werde versuchen, über die anderen Ungereimtheiten ebenfalls einen Bericht zu erstatten. Außerdem habe ich in den Pausen noch mit verschiedenen Personen Gespräche geführt, worüber ich auch noch schreiben möchte.

Gisela Friedrichsen schrieb zu diesem Thema im Spiegel:

Prozess gegen Heidi K.: Vom Opfer zur Angeklagten

Sie sei von ihrem Kollegen vergewaltigt worden, behauptete Heidi K. über Horst Arnold. Der musste ins Gefängnis. Das Urteil wurde später aufgehoben, doch sein Leben war zerstört. Nun steht Heidi K. selbst vor Gericht, wegen Freiheitsberaubung. Ein befremdlicher Auftritt.[..]

Weitere Termine:

Dienstag, den 07. Mai 2013, 9 Uhr, Saal 213, Gebäude A
Dienstag, den 14. Mai 2013, 9 Uhr, Saal 213, Gebäude A
Mitwoch, den 15. Mai 2013, 9 Uhr, Saal 213, Gebäude A
Montag, den 03. Juni 2013, 9 Uhr, Saal 213, Gebäude A
Montag, den 10. Juni 2013, 9 Uhr, Saal 213, Gebäude A
Montag, den 17. Juni 2013, 9 Uhr, Saal 213, Gebäude A

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11 Kommentare.

  1. Michael Baleanu

    Danke für den Bericht, Christine. Hatte der Horst Arnold Geschwister?
    Gruß
    Michael

    • Ja Michael, er hat einen Bruder, der bei dem Prozess dabei war, ebenso wie seine Tochter.

      Die Tochter wollte man sogar zuerst gar nicht herein lassen, da die Besucherbänke bereits voll waren. Als Tochter des Opfers hat man ihr dann aber doch noch Platz frei gemacht.

  2. Ich kapier es einfach nicht. Diese Frau hat einen Menschen in Zusammenarbeit mit dem Unrechtsstaat umgebracht (Horst Arnold ist defintiv der Beweis dafür das man(n) an gebrochenem Herzen sterben kann) und wid immer noch wie ein mögliches Opfer behandelt. Welche Traumatisierung will sie denn haben nachdem zweifelsfrei feststeht dass es keine Vergewaltigung gab? Auch als objektiver Richter steht es einem zu die Angeklagte darauf hin zu weisen.
    Vielleicht sollten wir lieber Roboter zu Richtern machen, positive Menschlichkeit scheint es in Prozessen ja ohnehin viel zu selten geben oder komischerweise immer nur für die Falschen.

  3. Es darf keine Gewalt gegen Frauen geben. Und es darf keine Gewalt gegen Männer geben. Frauen sind zurzeit mehr als Männer von verächtlichen Beschneidungen betroffen. Aber Männer werden bei der Bundeswehr ungerechter behandelt. Siehe dazu
    http://www.musterung.us
    Die Parteien FW und Pro können einen Wandel herbeiführen. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

  4. Sind denn die beiden für den 10.6. und 17.6.2013 angesetzten Termine schon gelaufen? Oder wurden sie verschoben? Man liest in der Presse und auch anderswo nichts mehr darüber…

  5. Hoffentlich hört man überhaupt noch was?? irgendwann?? aber wann ??Nicht das schon alles unterm Teppich gekehrt wurde? Ist Rechtsanwalt Lierow bei den Prozessen mit anwesend? Warum gibt er keine Stellungnahme zu den ganzen geheimnisvollen Abläufen, Mir kommt das wirklich sehr seltsam vor, wenn ich das mal so anmerken darf, Was es doch ausmacht, wenn man an vergifteten Quellen hockt…es wäre sehr schlimm wenn Heidi K und auch alle anderen Verantwortlichen so davon kommen. Wie heißt es so schön: die kleinen hängt man die großen lässt man laufen!

  6. Leon Henderson

    » http://www.friedhof-welt.de/2012/06/horst-arnold/ Vielleicht nicht wichtig angesichts des Falls, aber Herr Arnold war doch Studienrat (Gymnasiallehrer), nicht Realschullehrer. Und vor allem Justizopfer.

  7. Wohl nirgendwo sonst lässt sich die völlige Verkommenheit wesentlicher Teile der deutschen Justiz und ihres Personals besser ablesen als im “Fall Wolski”. Wir haben darüber schon mehrfach berichtet. Zur Erinnerung: Karin Wolski ist Mitglied des Staatsgerichtshofes Hessen, also Verfassungsrichterin. Zugleich war sie bis Herbst 2008 Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichts Darmstadt. Inzwischen ist sie Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichts Frankfurt. Sie hätte auch Oberbürgermeisterin von Offenbach werden können. Stefan Grätner, seit 2003 Staatskanzleichef von Ministerpräsident Roland Koch und Offenbacher CDU-Kreisvorsitzender, ließ sie 2005 zur OB-Kandidatin küren. Die Dame rückte nun in den Focus der Süddeutschen Zeitung. Deren Wochenendausgabe widmete dem Fall Wolski eine ganzseitige Reportage.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/hessische-ungereimtheiten-die-verschonte-vizepraesidentin-1.72837

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