Grüne fragen nach Zwangsverheiratung von Männern

hib-Meldung 104/2009 Datum: 07.04.2009

Im Bundestag notiert:Zwangsheiraten von heterosexuellen Männern sowie Schwulen und Lesben

Familie/Kleine Anfrage

Berlin: (hib/SKE) Zwangsheiraten von heterosexuellen Männern sowie Schwulen und Lesben thematisiert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in einer Kleinen Anfrage (16/12394). Die Abgeordneten erkundigen sich unter anderem nach der Anzahl der Betroffenen und der Anzahl der Strafverfahren, die seit 2005 Zwangsverheiratung von Männern zum Thema hatten.

Dazu ein paar Auszüge aus der 4-seitigen PDF-Datei:

Heterosexuelle Männer sowie homosexuelle Frauen und Männer als Opfer „arrangierter“ Ehen bzw. von Zwangsverheiratungen

[..]Von „arrangierten“ Ehen bzw. von Zwangsverheiratungen sind in Deutschland zum ganz überwiegenden Teil Frauen betroffen. Aber immer wieder werden hierzulande auch heterosexuelle Männer bzw. homosexuelle Frauen und Männer dazu gezwungen, entgegen ihrer individuellen Wünsche zu heiraten. Auch sie können demnach Opfer von Zwangsehen werden.

[..]Viele der heterosexuellen Männer bzw. der homosexuellen Frauen und Männer, die gezwungenermaßen verheiratet werden sollen, sind an Leib und Leben bedroht bzw. sozial existentiell gefährdet. Dieses bedauerliche Faktum ist – ausweislich der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Jahr 2007 herausgegebenen
Publikation „Zwangsverheiratung“ – eine Forschungslücke.

[..]Die im Februar 2009 ebenfalls vom BMFSFJ herausgegebene Handreichung „Zwangsverheiratung bekämpfen – Betroffene wirksam schützen“ kommt auf Seite 41 zu der diesbezüglich ernüchternden Feststellung: „Spezielle Schutzeinrichtungen gibt es bisher weder für hetero- noch homosexuelle Männer noch für Paare“.

Dies ist deswegen verwunderlich, weil die zuständige Bundesministerin Ursula von der Leyen im Jahr 2007 (in ihrem Vorwort zu dem o. g. Forschungsband ihres Hauses) noch vollmundig angekündigt hatte, künftig bei der Bekämpfung von Zwangsverheiratungen „stärker auch die Rolle der Männer zu berücksichtigen“ und auch für diese Männer „wirksamen Schutz [zu] gewährleisten“.

Zunächst einmal müsste geklärt werden, was – nicht nur – die Grünen unter Zwangsverheiratung oder „arrangierter“ Ehe verstehen. Wenn ein Mann, ob mit oder ohne Einwilligung, Vater wird und seine Partnerin ihn unter Druck setzt, in dem sie Umgangsverweigerung für den Fall des nichtehelichens ankündigt, dann ist das auf jeden Fall Zwang. Verharmslosend kann man das natürlich auch als „arrangiert“ betrachten. Das ein Mann, der sich auf solche Bedingungen einlässt, sowieso schon verloren hat, steht auf einem anderen Blatt.
Wichtiger halte ich allerdings den Punkt „soziale, existentielle Gefährdung“, den ich allerdings auf Vaterschaften ausweite.
In den letzten Monaten haben sich innerhalb von 4 Wochen drei sehr junge Männer (16 bis 23 Jahre) bei meinem Mann und mir wegen Vaterschaftsanerkennung gemeldet. Bei zweien wurden die Mütter der jungen Männer aktiv und im dritten Fall wurde der Mann vom Jugendamt zur Vaterschaftsanerkennung gezwungen. In 2 Fällen kam die Aufforderung des Jugendamtes, die Anerkennung der Vaterschaft zu unterschreiben und Lohn-/Gehaltsnachweise der letzten 12 Monate zur Ermittlung des Unterhalts für das Kind vorzulegen. Den Angaben der Mütter wurde blind geglaubt und Zweifel gar nicht erst zugelassen. In diesen Fällen wurde alles für einen privaten Vaterschaftstest in die Wege geleitet, auf Grund der geografischen Entfernung zieht sich die Durchführung allerdings noch etwas hin, so das ich über Ergebnisse noch nicht berichten kann. Im dritten Fall wurde der junge Mann so sehr unter Druck gesetzt, das er „freiwillig“ unterschrieben hat, um dem permanenten Druck des Jugendamtes zu entgehen. Wenn das alles kein Zwang ist, was ist es dann?
In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf ein Blog aufmerksam machen, in dem sich ein Mann ausführliche Gedanken zur Zwangsvaterschaft gemacht hat.
Prädikat: sehr empfehlenswert [hier]
Etwas irritierend finde ich allerdings, das sich „Die Grünen“ anscheinend immer mehr für Männerthemen interessieren. Die Frage lautet deshalb: Ist dieses Interesse eher dem Wahljahr/Wahlkampf geschuldet oder vielleicht doch sogar aus eigener Einsicht heraus?

Link
BMFSFJ: Zwangsverheiratung bekämpfen – Betroffene wirksam schützen

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6 Kommentare.

  1. „Dies ist deswegen verwunderlich, weil die zuständige Bundesministerin Ursula von der Leyen im Jahr 2007 (in ihrem Vorwort zu dem o. g. Forschungsband ihres Hauses) noch vollmundig angekündigt hatte, künftig bei der Bekämpfung von Zwangsverheiratungen „stärker auch die Rolle der Männer zu berücksichtigen“ und auch für diese Männer „wirksamen Schutz [zu] gewährleisten“.

    Vielleicht hat sie danach unangenehme Post vom bff, TDF und den anderen steuersubventionierten Organisationen hierzulande bekommen, um sie auf den riichtigen feministischen Pfad der Tugend zurückzubringen? Dieses Phänomen könnte einem doch bekanntvorkommen?

    Eine eindrucksvolle Beschreibung findet der Beitrag von Karin Jäckel im Buch „Befreiungsbewegung für Männer“ auf S. 73 : „Meine Verweigerung verzögerte die Bearbeitung und Veröffentlichung um Monate. Als das Buch im Herbst 1999 endlich trotz der darin enthaltenen Feminismuskritik auf den Markt kam und zur Buchmesse ausgestellt wurde, erklärte mir meine Lektorin am Messestand, weitere Buchverträge mit mir werde es im DTV allenfalls bei einem Ein-Euro-Honorar geben.“

    Solche Erscheinungsformen kennt man eigentlich aus Geschichtsbüchern im Hinblick auf fundamentalistische und totalitäre Züge.

  2. Ich glaube ein paar Grüne Schwalben machen noch keinen Männersommer.
    Solange die Partei sich weiterhin nur in Frauenfragen engagiert, z.B. Homepage der Grünen, Themen, Frauen gibts, Männer nicht, ist sie unwählbar.
    Und was hilft schon eine kleine Anfrage wenn die ganze Organisation Unsinn wie z.B. den Equal Pay Day propagiert.
    Wir Männer sollten nicht so bescheiden sein und dankbar Freudentänze aufführen wenn auch mal an die Männer gedacht wird, sondern immer das Ganze sehen. Und da sind nunmal DIE LINKE und die GRÜNEN absolut feministische Parteien.
    Und ich glaube nicht, daß man da irgendwas dran ändern kann, ausser dafür zu sorgen, daß beide nichts zu bestimmen haben.

  3. Die Grüne Partei ist schon deshalb unwählbar, weil sie zutiefst undemokratisch ist.

    Dazu ist eine Partei, die vorgibt für Gleichberechtigung einzustehen und in ihren Satzungen Mehrheiten für Frauen festzuschreiben, einfach unglaubwürdig.

    Das Thema Zwangsverheiratung ist ein Teilthema des Feminismus, das dazu dient, die Mär von der Frauenunterdrückung durch Männer aufrechtzuerhalten.

  4. In einer arrangierten Ehe sind (per definitionem) immer sowohl ein Mann und eine Frau „betroffen“. Dem Feminismus gelingt es, dem gehirngewaschenen Bürger bei ein und demselben Tatbestand den Mann als Täter und die Frau als Opfer vorzustellen.

    Man muss wissen, dass gemäß den Glaubenstatuten des Feminismus es keine „herrschaftsfreie Beziehung zwischen Mann und Frau“ geben kann.

    Als Beleg ein paar Zitate aus „Der keline Unterschied“ von Alice Schwarzer: (siehe separater Beitrag)

    Man kann sich die Analyse der Tagespolitik sparen, denn was da gerade ventiliert wird ist nicht relevant, das Ergebnis der Analyse wird immer wieder ergeben, dass in der Familien- und Frauenpolitik kein Bezug zur Realität vorhanden ist, dafür aber immer ein Bezug zu den „immerwährenden“ feministischen Glaubensdogmen, wie ich hier mit Zitaten nur eines Buches einer Autorin exemplarisch belegt habe.

    Ob Frauenhaus, Jugendamt, Frauenbeauftragte der SPD, Betroffenheitsbeauftragte der Grünen oder Richterin am OLG, alle sind in einer seltsamen Weise gleichgeschaltet, wenn es darum geht dem Mann den Täterstatus und der Frau den Opferinnenstatus zuzuweisen. Da kann noch soviel von „Einzelfallprüfung“ gesäuselt werden, am Ergebnis ändert es nichts, weil das Ergebnis schon feststeht: Die Schuldfrage muss nicht mehr geklärt werden, seitdem feststeht, dass „der Mann“ schuld ist.

    Um auf das Eingangsthema zurückzukommen. Das Thema Zwangsverheiratung hat in diesem Zusammenhang nur die Aufgabe, die bereits bestehende Schuldzuweisung an den Mann möglichst breit abzusichern.

    Da in einer Ehe (auch einer arrangierten) immer sowohl ein Mann und eine Frau betroffen ist, müssten per definitionem von Zwangsverheiratung 50% Männer und 50% Frauen betroffen sein. Empirisch werden aber immer nur Frauen als Opfer von Zwangsverheiratung vorgestellt. Wo bleiben denn da die zwangsverheirateten Männer?

    Die Antwort darauf findet man nur, wenn man sich mit der feministischen Ideologie beschäftigt.
    Da nach feministischer Auffassung die heterosexuelle Ehe „die Überlegenheit des Mannes und die Unterlegenheit der Frau impliziert“, kann es aus ideologischen Gründen auch bei der Zwangsheirat nur weibliche Opfer geben, während der Mann (nur) die „zwanghafte Zelebrierung männlicher Potenz“ betreibt. Diese Sicht schließt die Möglichkeit männlicher Opfer aus.

    Auch wenn Feministinnen mit dem Thema Zwangsheirat auf den Zug des Islam-Bashing aufspringen, zeigt die Analyse feministischer Ideologie, dass der Islam (nur) als ein „Spezialfall“ eines frauenunterdrückenden Patriarchats handelt. Im Grunde werden Islam und Kopftuch aber nur vorgeschoben, denn die unverhüllte Zurschaustellung feministischer Ideologie könnte Verdacht auslösen. Und das ist, dass ist die feministische Vorstellung, dass die Heterosexualität an sich schon als Zwang aufgefasst wird, wie die Wortschöpfung „Zwangsheterosexualität“ anschaulich zeigt.

    In diesem Sinne macht sich jeder verdächtig, der Familie und Heterosexualität verteidigt und eben nicht nur Muslime.

  5. Nachtrag:
    Zitate aus „Der kleine Unterschied“ von Alice Schwarzer:

    „Die Frau empfindet die eheliche Pflicht als Prostitution. … die klassische Mann-Frau-Konstellation impliziert die Überlegenheit des Mannes und die Unterlegenheit der Frau.“ (Seite 38)

    „Ihr Leben ist beherrscht von dem Terror der Norm.“ (Seite 49)

    „„Penetrationswut“ der Männer … Es scheint sich dabei [Heterosexualität] um eine zwanghafte Zelebrierung männlicher Potenz zu handeln.“ (Seite 60)

    „Homosexuelle Frauen verweigern also nicht nur die Frauenrolle, sondern auch die heterosexuelle Macht-Ohnmacht-Hierarchie.“ (Seite 72)

    „Mann und Frau sind a priori so ungleich … Liebe ist eben nur unter Gleichen möglich, nicht unter Ungleichen. (Seite 151)

    „Auf der subjektiven Gutwilligkeit und Verständigungsbereitschaft der Geschlechter lastet die schwere objektive Hypothek der Ungleichheit.“ (Seite 162)

    Feministische Glaubensgrundsätze:
    1. Männer sind die Täter.
    2. Frauen sind die Opfer.
    Sollte doch einmal eine Frau die Täterin sein gilt:
    3. „Frauen sind noch die Opfer der Opfer.“ (Seite 180) „Ja doch, auch Männer sind Opfer, aber die Frauen sind noch die Opfer der Opfer.“ (Seite 245)

  6. Weiterer Nachtrag:

    „Erster Beischlaf als Pflichtübung im Ritual des Frauwerdens. Im Grunde ist das, was ich mache, ein Sichzurverfügungstellen für die Onanie des Mannes.“ (Seite 184)

    „Jeder Emanzipationsversuch muß darum früher oder später in einer Sackgasse landen, solange jede Frau einzeln privat dem Mann ausgeliefert ist. Das Sexmonopol von Männern über Frauen sichert ihnen gleichzeitig das emotionale Monopol (Frauen verlieben sich selbstverständlich nur in Männer), das soziale Monopol (Frauen sind zur sozialen Anerkennung auf die Ehe, mindestens aber auf die Männerbeziehung angewiesen) und das ökonomische Monopol (Frauen akzeptieren aus Liebe zum Mann Gratisarbeit im Haus und Zuverdiener-Jobs im Beruf).“ (Seite 207)

    „Kategorien wie Heterosexualität und Homosexualität sind kultureller Natur und nicht biologisch zu rechtfertigen. Die herrschende Heterosexualität ist eine kulturell erzwungene, eine Zwangsheterosexualität.“ (Seite 207)

    „Darum ist Sexualität nicht privat, sondern politisch. Und darum ist die ausschließliche Heterosexualität ein entscheidendes Machtmittel der Männer im Geschlechterkampf.“ (Seite 209)

    „1. Mann-Frau-Beziehung sind unabhängig vom Willen des einzelnen Individuums (sic!) qua Funktion (sic!) in dieser Gesellschaft Herrschaftsverhältnisse. (sic!)

    2. Die herrschenden sexuellen Normen, und damit die Sexualität selbst, sind Instrument zur Etablierung dieser Machtbeziehungen zwischen Mann und Frau. [..] Das Dogma der Vorrangigkeit der Heterosexualität (muss) infrage gestellt (werden).“ (Seite 210)

    „Frauen arbeiten also doppelt soviel wie Männer.“ (Seite 213)

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