Gleichstellungspolitik für Jungen

kristina-koehlerKristina Schröder äußert sich im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über die geplante gesetzliche Familienpflegezeit und den Kampf gegen Kinderpornographie. Zudem spricht sie über die Themen Zukunft des Zivildienstes und Gleichstellungspolitik für Jungen.

FAZ: Wie gehen Sie mit der Zivildienstverkürzung um, die der Wehrdienstverkürzung folgen muss?

Kristina Schröder: Wir arbeiten gerade an einer freiwilligen Verlängerung des Zivildienstes. Das wäre für rund ein Drittel der Zivildienstleistenden interessant – zum Beispiel für die, deren Dienstzeit im Frühjahr endet, die aber erst im Herbst eine Ausbildung oder ein Studium beginnen können. Da gibt es aber noch Diskussionen mit unserem Koalitionspartner. Wir wollen auch die Freiwilligendienste noch einmal deutlich stärken und dabei auch bildungsferne Schichten oder Migrantenfamilien besser einbinden. Freiwilliges Engagement kann schließlich eine interessante Berufsperspektive bieten. Auch die wenigen männlichen Erzieher in Kindertagesstätten kommen meist über den Zivildienst oder Freiwilligendienste dort hin. Die jungen Männer haben sich das vielleicht vorher gar nicht vorstellen können und dann gemerkt, dass sie der Star in der Kita sind.

FAZ: Sie haben sich auch eine Gleichstellungspolitik für Jungen vorgenommen und dafür ein eigenes Jungen-Referat im Ministerium eingerichtet. Was soll das tun?

Kristina Schröder: Jungen im Kindergarten oder in der Schule schneiden in vielen Bereichen schlechter ab als Mädchen. Sie schreiben schlechtere Noten, sie verlassen öfter ohne Abschluss die Schule, sie werden öfter kriminell. Offenbar haben wir die Jungen vernachlässigt. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich will jetzt auf keinen Fall irgendetwas an der Förderung der Mädchen ändern – wir sind ja froh, dass es da so gut läuft. Aber wir haben die Pflicht, genau hinzuschauen, ob wir die Jungen nicht auch deutlich besser fördern können. Entwicklungspsychologen sprechen von einem Mangel an männlichen Vorbildern – in den Kitas, in den Grundschulen, vielleicht auch zu Hause. Sie sagen aber auch, dass die Pädagogik sehr weiblich geprägt ist und einseitig das belohnt, wo die Mädchen Vorteile haben.

FAZ: Sie werden aber schwerlich verordnen können, dass mehr Männer Grundschullehrer werden sollen.

Kristina Schröder: Ich gehöre nicht zu denen, die fordern, dass alle Berufe fünfzig-fünfzig besetzt sind. Männer und Frauen haben im Schnitt unterschiedliche Vorlieben und Fähigkeiten. Ich glaube nicht, dass wir irgendwann fünfzig Prozent E-Technik-Studentinnen haben werden, und ich will sie auch nicht umerziehen, das ist nicht meine Aufgabe. Aber gerade deshalb müssen wir sehen, ob in der Gesellschaft nicht das, was Frauen leisten, niedriger bewertet wird, als das, was Männer leisten. Als der Grundschullehrer früher ein männlich dominierter Beruf war, da war der Lehrer im Ort hoch angesehen – neben dem Arzt, dem Apotheker und dem Pfarrer. Das ist heute nicht mehr so, und man muss sich eben genau fragen, warum [mehr]

Im Großen und Ganzen hören sich die Argumente gut an und persönlich kann ich einigen Vorstellungen von Frau Schröder zustimmen. Ich frage mich aber trotzdem, wann das Jungenreferat mit seiner Arbeit beginnt. Bisher ist ja erst in einer Pressemitteilung des BMFSFJ über Jungen geschrieben worden. Eine weich gespülte Politik für Jungen ala „Neue Wege für Jungs“ brauchen wir nun wirklich nicht.
Ein bekanntes Zitat sagt: An ihren Taten werdet ihr sie erkennen und das ist wohl das Einzige, was man letztendlich zu diesem Interview sagen kann.

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