Gesetzentwurf zur Beschneidung – Gender

Der Bundestag steckt beim Beschneidungsthema in einer üblen Falle – und wie das bei üblen Fallen so ist: Es gibt kein Entrinnen. 
06.10.2012 · Von Volker Zastrow

Der Gesetzgeber will die Genitalverstümmelung von Jungen erlauben, weil es poli­tisch opportun scheint und sich darüber hinaus niemand auch nur vorzustellen ver­mag, was sich gegen den religiös oder traditionell vermittelten Elternwillen ausrich­ten lässt, schon gar mit strafrechtlichen Mitteln. Allerdings sieht das Grundgesetz nicht vor, Religionskörperschaften Gruppenrechte zuzugestehen, die Menschen­rechte des Einzelnen brechen.[..]

„Es bleibt ein radikaler Eingriff in die körperliche Integrität und psychische Befind­lich­keit der Frau“, heißt es im Gesetzvorschlag, der ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 2005 zitiert: „Dabei verbietet sich eine Unterscheidung nach der Art der Verstüm­melung.“

Also auch – und richtigerweise – bei der Klitorisvorhautbeschneidung, die freilich der üblichen Beschneidung jüdischer und muslimischer Jungen entspricht. Das Grund­ge­setz verbietet im dritten Artikel die Ungleichbehandlung vor dem Gesetz, darunter ausdrücklich auch „wegen des Geschlechtes“. Das gilt sogar schon für die bloße Benachteiligung. Auch richtigerweise. Der Gesetzgeber sagt nun: Jungen darf man schneiden. FAZ

Bis jetzt hat noch keiner Gender gesagt, Volker Zastrow ist der Erste. Kurioserweise hört man mal wieder keine Gleichstellungsbeauftragten schreien, die ja eigentlich die ersten sein müssten. Aber selbst wenn man sich nur auf die Gleichberechtigung aus Art. 3 des Grundgesetzes beruft, dürfte ein Gesetz zur rein männlichen Beschnei­dung nicht möglich sein. Aber seit wann achten Politiker bestehende Gesetze.

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3 Kommentare.

  1. apocalypse2012

    Das erfolgreichste Mem (Ideologie) aller Zeiten war die „jüdische Kultur“, denn von ihr hängen alle Kulturen heute ab: Christen, Muslime, Protestanten, Kapitalisten, Marxisten, Nazis, Hollywood, Neonazis, Pseudohistoriker etc. – und keiner merkt, dass er ein Sklave der 2000jährigen dummen jüdischen Tradition ist.

    Darum: Durchbrecht diesen jahrtausendealten Teufelskreis und seid nicht mehr die Sklaven dieser „jüdischen Tradition“: Juden > Christen > Kapitalisten > Kommunisten > Nazis > …

    Geil also, wenn die Israelis („Juden“) gegen den Iran („Arier“) zu Felde ziehen…

    Nochmals: wann hört endlich diese sinnlose überbewertete „jüdische“ Tradition auf (Juden > Christen > Nazis > Hollywood > …)

  2. Ich fürchte hinter diesem Gesetzesvorschlag steckt wahlpolitisches Kalkül, schließlich ist nächstes Jahr Bundestagswahl! Man hofft sich die Stimmen der Muslime und Juden damit zu kaufen. Wenn anschließend das BVerfG das Gesetz in der Luft zerfetzt, kann man diesem die Schuld in die Schuhe schieben: „Wir habens ja versucht, aber das BVerfG sieht es halt anders! Können wir nix für!“
    HIER müsste jetzt eigentlich UvdL aufstehen und laut brüllen: „Ja, denkt denn niemand an die Jungen?“
    Denn genau das steckt dahinter, egozentrischer Blick auf die eigenen politischen Pöstchen, das Wohl der Jungen geht denen am A….. vorbei!
    (Wenn’s um Mädchen ginge würde man – die Reihen fest geschlossen – den Religionsvertretern den Stinkefinger zeigen (und genau die Argumentation der Beschneidungsgegner vertreten!)
    Wars Valentin oder Tucholsky der sagte: „Ich kann garnicht soviel fressen wie ich ko…. möchte!“

  3. ich war immer ein (eigentlich) treuer stiller Leser deines Blogs, auch und gerade weil ich in manchen Dingen eine andere Meinung als du habe, mich aber dennoch immer interessiert wie jemand mit einer anderen Meinung als der meinen diese begründet (das tun heutezutage leider viel zu wenige Menschen). Ich finde es immer bereichernd, wenn man nach dem Lesen eines Blogeintrags (oder Buches) entweder seine eigenen Ansichten (begründet) hinterfragen kann oder aber die eigene Meinung bestätigende Argumente mitnimmt. Beim Thema “Gleichstellungsbeauftragte” und “Feminismus” sind wir uns aber einig (soweit ich das nach den bisherigen Blogartikeln von dir einschätzen kann).

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