Frauen töten aus Mitgefühl – Männer aus Rache

Auf Grund mehrerer Familientragödien in den letzten Wochen ist dieses Thema für einige Me­dien Anlass, um über die Tatmotive des jeweili­gen Elternteils zu spekulieren. Psychologen mel­den sich zu Wort und für die meisten steht fest, Mütter töten aus Mitgefühl, Väter allerdings aus Rache, um damit ihre Macht zu demonstrieren. Morden Mütter moralischer?

Der Berliner Vater, der seine zwei Söhne und seine Frau umgebracht hat, schrieb in seinem Abschiedsbrief an die Bild zumindest: „Ich tat dies in voller Verantwortung bei vollkommen klarem Bewusstsein aus fürsorglicher Liebe.“ Bild sprach daraufhin mit einem Psychologen, der sinngemäß meinte, dass nicht alleine die finanziellen Sorgen der Auslöser für die Tat gewesen seien. Die Ursachen lägen viel tiefer und könnten nur damit begründet werden, dass der Täter die tatsächlichen Umstände verkannt, sich stattdessen eine eigene Realität geschafft habe und deshalb in einen Wahn geraten wäre. Ich frage mich allerdings, warum das für Täterinnen nicht gelten soll und immer wieder nach Entschuldigungen bei diesen gesucht werden?

Exemplarisch sehe ich hier den Badewannenmord aus der Stuttgarter Region, bei dem eine Mutter ihre beiden Kinder getötet hatte. Ihr Selbstmordversuch war gescheitert, weil ihr Mann die Kinder abholen wollte. Im Prozess sagte sie, dass sie Angst hatte, das Sorgerecht für ihre beiden Kinder zu verlieren. Dem Vater machte sie heftige Vorwürfe, er habe sie und die Kinder wiederholt verletzt und gedemütigt. In einem früheren Verfahren war auf Grund ihrer Initiative gegen ihren Mann wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt worden, der Prozess wurde eingestellt. In ihrem Abschiedsbrief hatte sie den Gutachter beschimpft sowie ihre Rechtsanwältin beschuldigt, einen Vergleich gegen ihren Willen abgeschlossen zu haben. „Keiner war da, der mir geholfen hat.“

Der dazugehörige Titel auf Welt Online suggeriert selbstredend eine Mitschuld ihres Mannes: Badewannen-Mord · Mutter macht Vater schwere Vorwürfe. Umgekehrt habe ich noch nie gelesen, dass auch Mütter mitschuldig wären, wenn Väter ihre Kinder umgebracht haben. Beide Täter sind aus purem Egoismus zu Mördern geworden und den Opfern dürfte es schlicht egal sein, ob Mutter oder Vater sie getötet haben. Nun komme ich zum Interview der Stuttgarter Nachrichten.

Interview über Familientragödien
„Niemand wird über Nacht zum Mörder“

Stuttgart – Verzweiflung und elterliche Gewalt haben innerhalb weniger Wochen 13 Kinder in Deutschland das Leben gekostet. Sie wurden vom Vater, von der Mutter oder deren Lebensgefährten getötet. Der Essener Psychotherapeut und Traumaexperte Christian Lüdke spricht im StZ-Interview mit Verena Orth über die Motive der Täter und die Hintergründe.

Herr Lüdke, in Neuss wurden zwei Kinder und eine Frau tot in ihrer Wohnung entdeckt. Der Vater ist auf der Flucht. In Berlin hat ein 69-Jähriger sein Baby in einer Babyklappe abgelegt und danach seine Frau, seine zwei Kinder und sich selbst umgebracht. Was treibt Menschen zu solchen Taten?

Hier habe ich mich gefragt, wieso der Mord an zwei Kindern durch ihre Mutter, der ebenfalls erst kürzlich geschehen ist, nicht erwähnt wurde?

Das unterscheidet sich bei Männern und Frauen. Frauen töten ihre Kinder im Glauben, ihnen damit etwas Gutes zu tun. Sie wollen die Kinder vor dieser bösen Welt schützen, in der sie selbst nicht haben bestehen können. Für Männer ist auch Rache ein Motiv, nach dem Motto: Du hast mein Leben zerstört, und nun nehme ich dir das Liebste.[..]

Auch Frauen töten aus dem gleichen Motiv: „Es tut mir leid, welche Schande ich über dieses Haus bringe, aber es sind meine Kinder, und wenn ich sie nicht für mich haben kann, soll sie auch kein anderer kriegen“. Auch hier wird im Titel suggeriert: „Ein hilfloses, völlig überfordertes Wesen“. Stimme

Sind das Menschen wie du und ich, oder geht der Tat eine psychische Erkrankung voraus?

Niemand wird über Nacht zum Mörder. Bei Männern sind das oft typische Versager, die beruflich, privat, sexuell, als Vater – einfach überall – versa­gen. Mit der Gewalttat wollen sie ihr Gesicht wahren.

Frauen können nicht versagen? Ich vergaß… Bei ihnen nennt die Presse das dann Überforderung. Das Männer ebenfalls überfordert sein könnten, kommt dem Psycho­logen gar nicht erst in den Sinn.

Töten Männer ihre Familie öfter als Frauen?

Männer löschen die Familie aus, Frauen töten ihre Neugeborenen. Nimmt man diese Fälle zusammen, gibt es in der Häufigkeit der Tat keinen Unter­schied zwischen den Geschlechtern.

Frauen löschen ihre Familie also nicht aus? Vermutlich kommt die Aussage daher, weil Frauen seltener ihre Männer umbringen, sondern „nur“ ihre Kinder und manch­mal auch sich selbst.

Warum fällt es Frauen leichter, Neugeborene zu töten als Kleinkinder?

Diese Mütter konnten keine emotionale Bindung zu dem Kind aufbauen, das in ihnen heranwächst. Sie wurden in ihrer Familie oft selbst nicht als Person wahrgenommen. Das Kind ist quasi eine Altlast, die sie mit sich herumschleppen. Das Töten ist dann eine ganz primitive Form der Pro­blembeseitigung. Diese Frauen sehen das gar nicht als Mord, sie denken nur „die Arbeit, das Schreien, das muss endlich aufhören. Das muss weg.“[..] Stuttgarter Zeitung

Wenn ein Mann ungewollt Vater wird oder gar für ein Kuckuckskind aufkommen muss, dann bescheinigt man diesem emotionale Kälte. Beim ersten Fall ist er zwar beteiligt, kann aber nichts dagegen machen und soll finanziell sowie moralisch für das Kind aufkommen. Macht er das nicht, wird er einem Monster ähnlich hingestellt. Bei einem Kuckuckskind kann er u.U. unbewusst gar keine Verbindung aufbauen, aber auch hier wird er oftmals einem Monster gleichgestellt.

Das Wort Täterin ist in dem Interview natürlich nicht vorgekommen. Auf den Rest gehe ich nicht ein. Im WGvdL.com-Forum fragte vor über zwei Jahren ein User: Wie kommt eine intelligen­te, gut situierte und lebenserfahrene Frau dazu, ihre Kinder zu töten? WGvdL.com-Forum.

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