Bundesbank-Studie: Frauenquote ungeeignet

agens und Arne Hoffmann haben auf einen Bericht des Berliner Tagesspiegel verwiesen, in dem von einer Studie der deutschen Bundesbank über mehr weibliche Vorstände berichtet wird. Man kann zu dem Ergebnis, das mehr Frauen in Vorstände Geschäftsmodelle riskanter machen würden. Die Studie soll mit dem Vorurteil aufgeräumt haben, dass Frauen kaum risikofreudig sind. Das Gegenteil wäre der Fall, was nicht gerade für eine Quote sprechen würde.

Studie zu weiblichen Vorständen
Sind Frauen risikofreudiger?

Frauen sind überlegter, handeln bedachter? Eine Studie der Deutschen Bundesbank kommt zu einem gänzlich anderen Ergebnis. Demnach sorgt ein höherer Frauenanteil in Bankvorständen dafür, „dass das Ge­schäftsmodell riskanter wird“.[..]

Gegen die These der Wissenschaftler sprechen allerdings die Schicksale der Banken, die in der Krise die größten Verluste anhäuften: Die Hypo Real Estate (Georg Funke), die BayernLB (Werner Schmidt), die WestLB (Thomas Fischer) oder die IKB (Stefan Ortseifen) wurden von Männern ge­leitet. Pikant ist zudem, dass seit Juni mit Sabine Lautenschläger eine Frau in einer Top-Position im deutschen Finanzwesen sitzt – als Vizeprä­si­dentin der Bundesbank.

Hier wurde leider unterschlagen, dass seit 2007 eine Frau im Vorstand der Hypo Real Estate gearbeitet hat, nämlich Bettina von Oesterreich. Immerhin war sie dort für das Risikomanagement zuständig.

Vielleicht beeilte sich eine Sprecherin deshalb darauf hinzuweisen, dass die Studie „nicht unbedingt die Meinung der Bundesbank“ wiedergebe. Der federführende Autor arbeite „an einer Universität in South Carolina“ – ob er überhaupt Professor sei, wisse man nicht so genau. Tagesspiegel

Diesen Absatz fand ich fast schon wieder lustig. In Zeiten von Google und Co. kann man innerhalb von Sekunden heraus finden, ob etwas einer Tatsache entspricht oder nicht. Will man es genauer wissen, gibt es immer noch das Telefon, um sich zu vergewissern. Bei den Kommentaren finden sind noch ein paar Quellen zu diversen Studien bzgl. Frauenquoten, die ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen sein sollen, das mehr Frauen nicht automatisch eine bessere Geschäftsführung ausmachen.

von direktdemokrat · |02.04.2012 17:03 Uhr

Sechs Studien

  1. McKinsey: „Eine neue internationale Studie der Consulting-Agentur Mc Kinsey rät explizit von einer fixen Quote ab. 20 Minuten Online
  2. 2. Adams, Ferreira, 2008: „However, the average effect of gender diversity on firm performance is negative. This negative effect is driven by companies with fewer takeover defenses. Our results suggest that mandating gender quotas for directors can reduce firm value for well-governed firms.“ Social Science Research Network
  3. Universität Michigan: „Unternehmen, die ihren Frauenanteil im Verwaltungsrat erst durch die Quote stark erhöhen mussten, wurden nicht nur kurzfristig abgestraft. Sie mussten über mehrere Jahre lang deutliche Kursabschläge hinnehmen, stellen Ahern und Dittmar fest. Ursprünglich männerdominierte Firmen wurden im Jahr 2007 – fünf Jahre nach der Ankündigung der Quote – im Schnitt rund 17 Prozent niedriger bewertet als andere Unternehmen.
  4. Bundesministerium für Familie…: „Es ließ sich für Deutschland kein statistisch signifikanter allgemeiner (undifferenzierter) positiver Per­formance-Effekt von Frauen in Aufsichtsräten nachweisen.“ BMFSFJ
  5. 2008 fanden Ryan und Haslam (ähnlich auch Lee und James 2007) keinen Zusammenhang zwischen der Ernennung von Frauen in Ver­waltungsräte und dem Bilanz-Erfolgs eines Unternehmens. Es wurde aber eine signifikante negative Korrelation mit dem Kursverlauf der zugehörigen Aktie festgestellt. (URL liegen mir gerade nicht vor, ggf. bitte wissenschaftliche Recherchedienste nutzen.)
  6. ähnlich auch Lee und James 2007, siehe unter 5.

Mit dieser Studie sind es sogar sieben,die zeigen,dass eine Quote wenig vielversprechend ist, abgesehen vom Verfassungsbruch durch staatliche Diskriminierung Einzelner.

Auch Michael Klein vom Blog Kritische Wissenschaft hat einen Kommentar mit Fak­ten hinterlassen.

von MichaelKlein · |06.04.2012 12:04 Uhr

es gibt noch mehr

die Studie von Berger, Kick und Schaeck ist wichtig und verdienstvoll (wa­rum ist es eigentlich wichtig, darauf hinzuweisen, dass die drei „männ­li­che Forscher“ sind? Hat das eine Auswirkung auf die Glaubwürdigkeit des Ergebnisses oder soll das suggeriert werden?).

Wichtiger und noch verdienstvoller ist aus meiner Sicht jedoch die Studie von Ahern und Dittmar (ein männlicher und ein weiblicher Forscher, ist ja anscheinend relevant…), die für Norwegen in einer sehr umfangreichen Studie und für den Zeitraum von 2001 bis 2009 gezeigt haben, dass der staatliche Zwang zu 40% Frauen in den Vorständen börsennotierter nor­wegischer Unternehmen, einen erheblichen negativen Effekt auf so ziem­lich alle finanziellen Performanzmaße von Unternehmen hatte: Mehr schulden, schlechtere Akquisitionsentscheidungen, geringere Rentabilität und zurückgehendes Tobins q, weil der Marktwert der entsprechenden Unternehmen abgestürzt ist (um rund 3% direkt nach der Ankündigung einer Einführung der Quote und seitdem sukzessive, d.h. durch die Quote wurden MILLIARDEN des Marktwerts norwegischer Unternehmen ver­nich­tet!).

Wer die Studie interessiert, Sie ist wie die Studie von Berger, Kick und Schaeck auf sciencefiles besprochen; Kritische Wissenschaft

MANNdat hat sich schon Anfang 2011 mit diesem Thema intensiv auseinander ge­setzt und ist zu folgendem Ergebnis gekommen:

Höhere Gewinne dank der Frauenquote?

[..] Beide Untersuchungen (Anm. Catalyst + McKinsey) sind mithin unter maßgeblicher Mitwirkung von Organisationen erstellt worden, von denen im Hinblick auf die Thematik „Frauen in Führungspositionen“ keine neutra­le und objektive Sichtweise zu erwarten ist. Auch McKinsey selber garan­tiert keineswegs eine unvoreingenommene Sicht der Dinge, wenn es um die stärkere Teilhabe von Frauen an Unternehmensentscheidungen geht. Dazu später mehr.[..] MANNdat

Zum Schluss möchte ich noch auf eine Anfrage der Europäischen Kommission hin­weisen.

Mehr Frauen in Europas Chefetagen – aber wie?

Ihre Meinung ist gefragt – was muss getan werden, damit Unternehmen mehr Frauen in die Geschäftsleitung holen? In Europas Spitzenunter­neh­men ist nur eines von sieben Vorstandsmitgliedern eine Frau.[..]

Die europäischen Bürgerinnen und Bürger sind sich darin einig, dass et­was geschehen muss, um dieses Ungleichgewicht zu beseitigen. In der jüngsten Umfrage zu diesem Thema erklärten rund 9 von 10 Befragten, dass Frauen bei gleicher Qualifikation in Führungspositionen auch gleich­berechtigt vertreten sein sollten. 3 von 4 Befragten sind für gesetzliche Re­ge­lungen zur Herstellung der Geschlechtergleichstellung in Unterneh­mensvorständen.[..]

Zu diesem Schwachsinn hat Michael Klein ebenfalls einen sehr erhellenden Beitrag geschrieben.

Europäische Meinungsmacher – Wie man Umfrageforschung für seine Zwecke missbraucht

EU-Kommissarin Viviane Reding ist nach eigener Aussgae “zu allem be­reit” [auch zum Rücktritt?]. Die ehemalige Journalistin Viviane Reding hat eine Mission: Sie will den Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten großer Unternehmen erhöhen. Nicht von sich aus, versteht sich. Politiker sind bekanntlich altruistisch und tun nichts für sich, Politikerinnen schon gar nicht. Nein, Reding hat einen Befragtenauftrag: “Dem neuesten Eurobaro­meter zufolge wollen drei von vier Europäern, dass Frauen per Gesetz bei gleicher Qualifikation dieselben Chancen auf Spitzenposten bekommen”. Wie sich die Zeiten ändern. Früher waren es Wahlen und der Wählerauf­trag, der von Politikern in ihrem Sinne ausgelegt wurde und mit der durch die Wahl versehenen Legitimation begründet wurde. Heute leiten Polit-Komissarinnen ihre Legitimation aus Meinungsumfragen ab, die sie ver­mutlich selbst in Auftrag gegeben haben, um das entsprechende Er­geb­nis als Legitimation präsentieren können. Starke Behauptung? Hier kom­men die Belege:[..] Kritische Wissenschaft

Zurück zur Meinungsumfrage der EU.

Mehr Frauen in Spitzenpositionen – dies könnte Europa auch wettbe­werbsfähiger machen. Studien bekannter Beratungsunternehmen wie Mc Kinsey und Ernst & Young haben ergeben, dass Unternehmen mit einem ausgeglicheneren Verhältnis von Männern und Frauen höhere Gewinne er­zielen.[..]

Politiker lügen, sobald sie den Mund aufmachen.

Seitdem haben sich nur 24 Unternehmen in ganz Europa zu diesem Schritt entschieden. Jetzt untersucht die Kommission andere Möglich­kei­ten und hat daher eine öffentliche Konsultation eingeleitet, um Meinungen dazu zu sammeln, was die EU noch tun kann – beispielsweise Quoten einführen.[..] Europäische Kommission

Erst stellen Politiker Fakten her, die wahrscheinlich nicht auf seriösem Wege zu­stan­de gekommen. Um das Ganze zu legitimieren, wird nun eine Meinungsumfrage ge­macht, wie man die Ergebnisse der vermutlich selbst in Auftrag gegebenen Umfrage verbessern kann. Trotzdem werde ich daran glatt teilnehmen, aber sicher nicht mit solchen Antworten, welche sich die Politbonzen der EU erhoffen.

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