Warum ich Alice Schwarzer verteidigen muss

Bevor jetzt jemand glaubt, nach einer langen Zeit der Stille wäre ich in ein anderes Lager gewechselt, will ich zunächst einmal klarstellen, dass ich Alice Schwarzer noch nie moch­te und auch in der Zukunft nicht mögen werde. Dafür ist der Schaden, den sie und ihresgleichen angestellt haben, zu groß. Ich frage mich aber die ganze Zeit, warum ausgerech­net der Spiegel die Hetzkampagne gegen Alice Schwarzer ausgelöst hat.

Eines war der Redaktion mit Sicherheit klar: es würde eine Hetzkampagne werden, genauso wie gegen Uli Hoeneß und andere Vertreter, die der Steuerhinterziehung beschuldigt wurden und werden. Was bei dieser Berichterstattung aber völlig untergeht: wieso meint der Staat das Recht zu haben, Steuern auf Zinsen zu erheben, dessen Vermögen bereits versteuert wurde? Steuergerechtigkeit – ist das nicht bereits ein Paradoxon? Viele regen sich darüber auf, dass schließlich jeder diese Steuern zahlen muss und die meisten keine Möglichkeit haben, diese Forderungen unseres Staates zu umgehen. Aber wieso regt sich kaum einer über ein Gesetz auf, dass diese Steuern überhaupt abgeführt werden müssen?

Ich denke da an die vielen Menschen, die ihre Sparguthaben im Schweiße ihres Angesichts erarbeitet haben, die ihre bereits versteuerten Einnahmen ordentlich aufs Sparbuch legten oder in Häuser oder andere Anlagen investiert haben. Man denke auch bitte an jene, die, sagen wir mal 35 Jahre hart gearbeitet und Steuern gezahlt haben, von dem übrig gebliebenen Geld für sich und die Familie ein Haus angeschafft und evtl. durch einen Konkurs des Arbeitgebers ihren Job verloren haben. Nicht jeder schafft es, mit 55 Jahren oder älter noch einen Job zu finden. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit müssen diese Menschen ihr Haus verkaufen. Wenn sie Glück haben und kaum Verbindlichkeiten auf dem Haus lasten, bleibt ihnen noch etwas zum Leben übrig. Davon abgesehen, ein zwangsversteigertes Haus bringt nicht annähernd den Gewinn, wie bei einem unter keinem Zeitdruck stehenden Verkauf.

Den letzten Absatz schreibe ich vor allem unter der Prämisse, das in unserem Land bald alles subventioniert wird, von Politikern, die neben ihrer Tätigkeit auch noch Millionen für ihre Parteien von unseren Steuergeldern absahnen bis über 4,5 Mil. öffentlich Bediensteter. Diese Liste der Parasitenfinanzierung liesse sich endlos erweitern.

Ein Skandalforscher auf T-Online meinte doch tatsächlich: „Den Deutschen ist ihre Obrigkeitstreue abhandengekommen.“ Schaue ich mir allerdings die Empörungswelle an, dann sehe ich das eher umgekehrt. Der Stadtmensch hat zur Causa Schwarzer folgendes geschrieben:

Harhar!

[..]An der Causa Schwarzer ärgert mich vor allem eines: Dass man regelmäßig in den Kommentarspalten lesen muss, sie sei früher mal eine Ikone der Geschlechtergerechtigkeit gewesen (anscheinend die höchste Form der Gerechtigkeit nach feministischer Interpretation), aber jezz… Man ist sooo enttäuscht, gerade wegen ihrer unheilvollen, äh großen Verdienste für die Frauen. »Verdienste« stimmt schon, aber doch bitte nicht hauptsächlich durch den Verkauf ihres Käseblatts, dieser komischen »Omma«. Es waren nicht wenige Steuergelder, die die Alte reich gemacht haben. Mein Geld, dein Geld, unser Geld. Frauenförderung ist schließlich ein Boomsektor.[..] Stadtmensch-Chronicles

Als ich diese Woche Dienstag diesen Bericht anfing, dachte ich mir noch, wieso sich kein Mensch über die Steuerungerechtigkeit aufregt. Aber siehe da, so langsam werden doch einige Menschen wach.

Neue deutsche Spießigkeit: Die Steuer-Puritaner
Von Jan Fleischauer

Deutschland steht offenbar am Ende eines langen Kulturkampfs: Nahezu täglich werden schärfere Regeln gegen Steuerbetrüger gefordert. Denn Steuerflucht ist auch Aufstand gegen die Obrigkeit.[..] Spiegel

Noch besser ist folgender Artikel auf eigentümlich frei:

Steuern: Mehr Eier, Frau Schwarzer!
Von Fabian Grummes

Eines vorweg: Ich mag Alice Schwarzer nicht. Vielleicht ist sie privat eine nette Person, aber ich kann ihre Attitüde nicht leiden, Frauen als arme hilflose Opfer und Männer als brutale gemeine Täter darzustellen.[..]

Doch unabhängig davon breitet sich heißer Zorn in mir aus, wenn ich Reaktionen wie diese auf Schwarzers Steuerexil lese: „Das ist kein Kavaliersdelikt, wenn sie dem Gemeinwesen Geld wegnimmt,“ so blubberte es jüngst aus Karin Göring-Eckhardt bei einer dieser Runden im gebührenfinanzierten Fernsehen. Diese Geisteshaltung verwundert zwar nicht, hat sich die Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion doch nie am freien Markt beweisen müssen und konnte sich immer auf die Zahlungen aus dem prallen Geldsäckel staatlicher Institutionen verlassen. Verlogener geht es kaum mehr.[..]

Das ist u.a. auch der Grund für meinen Artikel. Ausgerechnet Politiker, die selten zum Wohle des Volkes agieren, werfen anderen vor, wenn diese ihr z.T. sauer verdientes Geld eben nicht in den Rachen von Politiker werfen wollen.

Anstatt rumzujammern und auf die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung zu verweisen (gibt es dafür dann Subventionen oder Steuerleichterungen?), wäre es viel schöner und richtiger gewesen, sie hätte auf die ganze politische Korrektheit gepfiffen ebenso auf ihre ohnehin stark gesunkene gesellschaftliche Reputation und dann frei und aufrecht die Gründe fürs Schweizer Geld-Exil ehrlich benannt. So in der Art etwa: „Ja, ich habe mein Geld vor den staatlichen Raubrittern in Sicherheit gebracht! Ich will mit meiner Arbeitskraft keine Folterlager in Afghanistan finanzieren! Mein Vermögen soll nicht zum Bau von Prestigeobjekten korrupter Politikbonzen dienen! Und abstruse Projekte will ich erst recht nicht meinem Steuergeld subventionieren. Mein Einkommen wird schon mehr als genug besteuert, das was mir bleibt, will ich für mich verwenden, nicht für die Rettung bankrotter Banken in der Eurozone. Deshalb würde ich es wieder tun – allein die Angst vor der staatlichen Knute ließ mich die Selbstanzeige erstatten. Das nächste Mal mache ich es richtig und gehe gleich ganz.“[..] eigentümlich frei

Das ist doch mal eine Ansage, die mir gefällt 🙂

Steuerzahlerbund deckt auf
Jeder Besucher in Schwarzers Frauenturm kostet 622 Euro Steuergeld – Focus

Sieh an, sieh an… und dieser Frau mit ihrem doch ziemlich großen Vermögen werden immer noch Steuergelder seitens des Frauenministeriums zugesteckt.

Steuerdebatte: Steuern in einem freiheitlichen Staat

Die Wirtschaftsjournalistin Karen Horn erklärt, wie der Konflikt zwischen Steuern und persönlicher Freiheit durch das Leistungsprinzip, wirksame Preismechanismen, Privateigentum und eine nicht diskriminierende, verlässliche und berechenbare Steuerpolitik lösbar ist. Novo

Ein sehr interessanter und ausführlicher Artikel zum Thema Steuern.

Konto in der Schweiz, Probleme mit dem FrauenMediaTurm
Die vielen Ungereimtheiten im Subventions-Dschungel der Alice Schwarzer
von FOCUS-Online-Redakteur Julian Rohrer und FOCUS-Online-Redakteur Paul-Nikolas Hinz

Alice Schwarzer musste 200.000 Euro an Steuern nachzahlen, sie hatte ein Konto in der Schweiz. Doch das scheint nicht das einzige Finanzproblem der Steuersünderin zu sein. Im Fall des von ihr gegründeten FrauenMediaTurm gibt es Vorwürfe. Ein Einblick in die Finanzwelt der berühmtesten Feministin Deutschlands.[..] Focus Online

Da hat der Focus doch tatsächlich mal etwas gründlicher recherchiert. Gegen Ende möchte ich noch auf die im Focus erwähnten Artikel des Wirtschaftsjournalisten Jens Blecker hinweisen, der sehr viel Zeit und Energie darauf verwendet hat, die Machenschaften der Alice Schwarzer aufzudecken. Diese hat er auf der Homepage von ik news eingestellt unter dem TagAlice Schwarzer„.

Diesen Artikel hatte ich bereits im Januar diesen Jahres angefangen, als dieser Skandal erstmals bekannt wurde. Warum ich ihn nicht veröffentlicht habe, weiß ich leider selber nicht mehr 😉

Da der Skandal derzeit aber wieder am kochen ist, kann ich meine Arbeit doch noch veröffentlichen 🙂

Feministin: Schwarzer könnte noch mehr Steuern hinterzogen haben

Alice Schwarzer droht doch ein Strafverfahren: Nach SPIEGEL-Informationen hat die Frauenrechtlerin womöglich noch mehr Steuern hinterzogen, als sie bislang zugegeben hat. Ihre Selbstanzeige wäre dann unwirksam.[..] Spiegel

Zum Schluss möchte ich zumindest noch auf ein Bonmot aufmerksam machen. Jörg Kachelmann hat via Twitter angeboten, bei einem eventuellen Steuerprozess gegen Alice Schwarzer als Gerichtsreporter zu fungieren.

Revanche: Kachelmann will als Gerichtsreporter zum Schwarzer-Prozess

Publishing Das wäre eine besondere Art der Rache: Während des Vergewaltigungsprozesses gegen Jörg Kachelmann trat Alice Schwarzer als Gerichtsreporterin der Bild auf. Während des Prozesses entwickelte sie sich zu einer Art Gegenspielerin von Kachelmann. Drei jahre später hat die 71-jährige Ärger mit der Steuer – und Kachelmann bietet sich Medien via Twitter nun selbst als Gerichtsberichterstatter an.[..] Meedia

/pp

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3 Kommentare.

  1. Also ich finde es schon richtig, daß es einen sozialen Ausgleich gibt, wenn man gewisse Vermögen angehäuft hat. Vermögende haben einfach gewisse Vorteile gegenüber der Normalbevölkerung und können prächtig Zinsen kassieren, ohne zu arbeiten. Dieses Vermögen haben sie sich eben meist nicht selbst erarbeitet, sondern geerbt – oder aufgrund absurder Gehälter in vielen Chefetagen verdient. Das ist ein Grund, warum die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht.

    Die Frage ist, ab welch einem Volumen man Zinsen besteuern sollte. Da könnte man diskutieren. Die Leute, die allerdings ihr Geld in die Schweiz schaffen, haben meist Millionen auf dem Konto.

    Ich bin ein Gegner der sogenannten Freien Marktwirtschaft. 🙂 Die Marktwirtschaft sollte möglichst stark reguliert werden. Meiner Meinung nach sind die gegenwärtigen Pseudofreiheiten eher zum Schaden der Gesellschaft. Ihre einzige Legitimation erhalten sie dadurch, daß andere Länder eine ebenso wenig regulierte Marktwirtschaft haben und man sich gezwungen sieht, bei dieser destruktiven Konkurrenzspirale mitzumachen.

    Dabei geht aber leider die Menschlichkeit flöten. Vermeintliche ökonomische Sachzwänge dienen als Vorwand, um das ethisch Richtige unterbleiben zu lassen.

    • @James T. Kirk
      Eine „freie Marktwirtschaft“ gibst es nicht. Mach dich einfach selbständig und du wirst sehen, dass du auf Schritt und Tritt auf Regularien triffst. Fast alle sind destruktiv. Du wirst im Lauf der Zeit immer mehr Zeit damit verbringen die Regularien zu deinem Vorteil auszunutzen, statt dein Produkt zu verbessern. Die Krönung waren die „Marktwirtschaften“ im reellen Sozialismus/Kommunismus. 95% der Energien wurden im Erstellen, Verwalten und Umgehen der Regularien verbraten.

      Die Schwarzarbeit im Handwerk ist ein Beispiel für eine funktionierende „freie“ Marktwirtschaft. Werbung funktioniert über Mund zu Mund Propaganda. Wer schlechte Arbeit liefert ist draußen. Trotz Bekämpfung durch den Staat ist dieser „Marktwirtschaft“ nicht beizukommen.

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